Bericht über die 1. Quedlinburger Pflanzenzüchtungstage und
14. Kurt von Rümker Vorträge am 18./.19. März 2009 in Quedlinburg
Organisation: Dir. u. Prof. PD Dr. Frank Ordon, Quedlinburg,
Prof. Dr. Chris-Carolin Schön, München
- 106 Teilnehmer -
Am 18./19.3.2009 fanden gemeinsam organisiert von der GPZ und dem Julius Kühn-Institut (JKI) und mit finanzieller Unterstützung der Gemeinschaft der Förderer und Freunde des Julius Kühn-Institutes, die 1. Quedlinburger Pflanzenzüchtungstage verbunden mit den 14. Kurt von Rümker-Vorträgen statt. Diese Tagung soll zukünftig in zweijährigem Rhythmus in Quedlinburg am JKI stattfinden.
Nach einem Grußwort des Präsidenten des JKI, Herrn Dr. Georg F. Backhaus, berichtete zunächst Herr Prof. Dr. Holger B. Deising von der Martin-Luther Universität in Halle über die „Molekulare Dissektion der Mechanismen pilzlicher Pathogenität an Pflanzen“. Die Thematik erläuterte er am Modellsystem Colletotrichum graminicola, ein pathogener Pilz, der Mais und andere Kulturgräser befällt. Prof. Deising zeigte sehr anschaulich, wie Colletotrichum durch Druckpenetration in die Wirtspflanze gelangt und welche Gene für den Erreger im Verlauf der Pathogenese von Bedeutung sind. Anschließend berichtete Dr. Patrick Schweizer von Leibniz Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK) aus Gatersleben über die „Entdeckung neuer Gene für Krankheitsresistenz in der Gerste durch Hochdurchsatz-Phänomanalyse“. Ziele der von ihm vorgestellten Forschungsarbeiten waren die molekulare Pflanze-Pathogen-Interaktion näher zu charakterisieren und durch den Einsatz eines Kandidatengenansatz agronomisch wichtige Gene zu identifizieren, die an Resistenz-QTLs beteiligt sind. Weiterhin berichtete er über die Entwicklung bzw. Nutzung neuer Methoden (z.B. HIGS) zur Verbesserung von Krankheitsresistenzen. Nach diesen ersten einrahmenden Vorträgen wurde die erste Staffel der Kurt von Rümker-Vorträge gehalten. Es berichteten Anja Hanemann, Gatersleben, über „Feinkartierung des Resistenzgens Rrs2 in Gerste und Entwicklung molekularer Marker für den Einsatz in der Resistenzzüchtung“, Stefanie Reim, Dresden, über „Beiträge zur Bewertung der Umweltverträglichkeit von gentechnisch veränderten Apfelpflanzen“, Dr. Maria Korn, Golm, über „Heterosis in der Frosttoleranz von Arabidopsis thaliana-Kreuzungen“, Dr. Tobias Schrag, Hohenheim, über „Vorhersage der Hybridleistung bei Mais mit molekularen Markern“, Dr. Christin Falke, Hohenheim, über „Gefährdet der Aufbau von Kopplungsungleichgewicht den Selektionserfolg rekurrenter Selektionsprogramme bei Mais?“, Dr. Karin Huber, Wien, über „AB-QTL Kartierung von Ährenfusarioseresistenz in zwei Triticum durum x Triticum dicoccum Populationen“ und Jennifer Häberle, München, über „Effekte von Resistenz-QTL gegen Ährenfusarium in europäischem Winterweizen“. Abgerundet wurde dieser erste Tag mit einem gemütlichen Beisammensein in den Räumen des JKI. Der nächste Tag begann mit weiteren Kurt von Rümker-Vorträgen. Es berichteten Kerstin Krumnacker, München, über „Transkriptombasierte QTL-Analyse der Malzqualität und Markerentwicklung in einer Braugerstenpopulation“, Grit Haseneyer, Gatersleben, über „Sequenz-Polymorphismus und Merkmalsvariation in einer Kollektion von Sommergersten“ und zum Abschluß Dr. Lamiae Ghaouti, Göttingen, über „Local vs. wide adaptation and line vs. synthetic cultivars for organic farming: Case of faba bean“. Anschließend hielt Prof. Dr. Hermann Buerstmayr vom Interuniversitären Department für Agrarbiotechnologie (IFA-Tulln) einen Vortrag zum Thema „Genetik der Resistenz von Weizen gegenüber Ährenfusariosen“. Nach einem umfassenden Überblick über den aktuellen Stand der Literatur stellte Herr Buerstmayr aktuelle Forschungsprojekte des IFA-Tulln vor, die sich mit der Validierung der Sommerweizen-QTLs auf den Chromosomen 3BS und 5A, der genetischen Analyse der Fusarium-Resistenz aus verwandten Arten des Kulturweizens, und der Identifikation und funktionellen Analyse von potentiellen Fusarium-Resistenzgenen befassen. Prof. Dr. Beat Keller von der Universität Zürich weckte bereits vorab auf Grund des Titels seiner Präsentation „Das ABC der dauerhaften Krankheitsresistenz in Weizen“ die Neugier der Tagungsteilnehmer. Er stellte die Ergebnisse eines gemeinsam mit der Commonwealth Scientific and Industrial Research Organisation (CSIRO) in Canberra durchgeführten Projektes vor, in dessen Verlauf das Braunrost-Resistenzgen Lr34 isoliert werden konnte, welches Ähnlichkeit mit PDR-Transportproteinen aufweist und einen ABC-Transporter darstellt. Dieses Gen ist gegenüber verschiedenen Pathogenen wirksam und seine Identifikation ist ein erster wichtiger Schritt zum Verständnis dauerhafter Resistenzmechanismen. Nach diesen sehr interessanten Vorträgen erfolgte die Verleihung des Kurt von Rümker-Preises, der in diesem Jahr von der Saatzucht Josef Breun GmbH & Co KG gestiftet wurde. Da alle Vorträge interessant und hervorragend präsentiert waren, war die Findung der Preisträgerin bzw. des Preisträgers keine leichte Aufgabe für die Jury, die aus Prof. Christian Jung, Prof. Klaus Pillen und Dr. Carl Bulich bestand. Aufgrund des hervorragenden Vortrages und der souveränen Diskussion wurde der Kurt von Rümker-Preis 2009 an Dr. Lamiae Ghaouti, Göttingen, für den Vortrag „Local vs. wide adaptation and line vs. synthetic cultivars for organic farming: Case of faba bean“ verliehen.
(Jeannette Rode, Frank Ordon, Quedlinburg)
Mitteldeutsche Zeitung, 24.3.2009
Kurt-von-Rümker-Vorträge für Pflanzenzüchtung

- Statuten -
Am 1. Juni 1985 stiftete die Arbeitsgemeinschaft Pflanzenzüchtung in der Gesellschaft für Pflanzenbauwissenschaften e.V. den Kurt-von-Rümker-Preis zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses auf dem Gebiete der Pflanzenzüchtung. Dieser Preis trägt den Namen Kurt von Rümkers, der im Sommersemester 1889 in Göttingen die erste akademische Vorlesung über Pflanzenzüchtung hielt, ein Jahr nach seiner Promotion in Halle.
Die Gesellschaft für Pflanzenzüchtung, die am 2. Dezember 1991 in Göttingen gegründet wurde, hat unter ihren Aufgaben auch die Fortführung der Kurt von Rümker-Preisstiftung und die mit ihren Statuten verbundenen Verbindlichkeiten übernommen.
Der Preis wird für den besten Vortrag eines Nachwuchswissenschaftlers zuerkannt, der während einer Vortragstagung der Gesellschaft zu einem Thema der Pflanzenzüchtung gehalten wird. Er soll gleichermaßen junge Wissenschaftler einer größeren Öffentlichkeit vorstellen wie der Diskussion aktueller pflanzenzüchterischer Forschung in der Gesellschaft dienen.
Der Preis ist mit einem Geldbetrag dotiert. Dessen Höhe richtet sich nach dem Spendenaufkommen, das der Gesellschaft für Pflanzenzüchtung für diesen Zweck zugewendet wird bzw. zur Verfügung steht.
Der Preis wird in der Regel zweijährlich ausgeschrieben. Die Ausschreibung wird in den einschlägigen deutschen Fachinstituten durch Aushang bekannt gemacht. Um den Preis kann sich jeder Nachwuchswissenschaftler bewerben, der auf dem Gebiete der Pflanzenzüchtung als Doktorand tätig war und dessen Dissertation im Wesentlichen abgeschlossen ist bzw. dessen Promotion nicht länger als zwei Jahre zurückliegt.
Die Bewerbung geschieht durch Anmeldung eines Vortrages an das Sekretariat der Gesellschaft. Ihr ist eine Kurzfassung des Vortrags und eine Stellungnahme des Betreuers beizufügen. Der Vortrag ist während der dafür vorgesehenen Vortragstagung zu halten. Er soll in der Regel einen Bereich aus der eigenen Forschungsarbeit betreffen. Über die Annahme der Bewerbung entscheidet der Präsident nach Maßgabe der Möglichkeiten des jeweiligen Tagungsprogramms.
Für die Auswahl des Preisträgers benennt der Vorstand der Gesellschaft eine Jury von drei deutschen Fachwissenschaftlern. Diese entscheiden nach Anhörung der Vorträge auf der Tagung. Gegen ihre Entscheidung ist der Rechtsweg ausgeschlossen.
Der Preisträger wird während der jeweiligen Vortragstagung bekanntgegeben. Gleichzeitig werden ihm eine Urkunde und der für den Preis vorgesehene Geld-betrag überrreicht.
Der Vortrag des Preisträgers wird in der Reihe „Vorträge für Pflanzenzüchtung“ veröffentlicht.

