Kurt-von-Rümker-Vorträge für Pflanzenzüchtung
Bericht über die 2. Quedlinburger Pflanzenzüchtungstage und 15. Kurt von Rümker-Vorträge
am 29./.30. März 2011 in Quedlinburg
- 99 Teilnehmer -
Organisation: Dir. u. Prof. PD Dr. Frank Ordon, Quedlinburg,
Prof. Dr. Chris-Carolin Schön, München
Am 29./30.3.2011 fanden die gemeinsam von der GPZ und dem Julius Kühn-Institut (JKI) 2. Quedlinburger Pflanzenzüchtungstage verbunden mit den 15. Kurt von Rümker-Vorträgen statt.
Die Präsidentin der GPZ, Prof. Dr. Chris-Carolin Schön, begrüßte die Teilnehmer und dankte den Organisatoren für ihr Engagement bei der Vorbereitung der Tagung. Nach dem Grußwort von Dr. Gerhard Gündermann, Vizepräsident des JKI, in dem er das JKI sowie dessen Aufgaben und Kompetenzbereiche vorstellte, berichtete zunächst Dr. Jochen Kumlehm vom Leibniz Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK) in Gatersleben über die “Genetische Transformation von Getreide“. Dr. Kumlehm als Vorreiter der pflanzlichen Reproduktionsbiologie erläuterte die Herstellung und Analyse transgener Pflanzen, die verwendeten Expressionssysteme und Ansätze zur Entfernung von Selektionsmarkern. Als Anwendungsbeispiele nannte er die Erzeugung von Pflanzen mit Resistenz oder höherem Ertrag sowie die Produktion von wertvollen Inhaltsstoffen (Molecular Farming). Anschließend gab Prof. Dr. Joachim Schiemann vom JKI in Quedlinburg einen Überblick über „Neue Entwicklungen in der grünen Gentechnik“. Nach einer Einführung zum Status quo des weltweiten Anbaus gentechnisch veränderter Pflanzen und den entsprechenden gesetzlichen Regelungen, ging er auf aktuelle Themen sowie neue Methoden wie z.B. die Zinc finger nuclease Technologie ein. Besonders umstritten ist zur Zeit das Arbeitspapier zu nationalen Anbauverboten des EU-Gesundheitskommissars John Dalli, das mögliche, nicht-wissenschaftliche Gründe für ein Anbauverbot auflistet und es EU-Mitgliedsländern ermöglichen soll, trotz EU-Zulassung ein beschränktes oder umfassendes Anbauverbot auf ihrem Hoheitsgebiet auszusprechen. Nach der Kaffeepause gab Kerstin Neumann, Gatersleben, mit einem Vortrag zum Thema „Genomweite Assoziationsstudie zur Identifizierung von Loci für juvenile und adulte Trockentoleranz bei Gerste“ den Auftakt für die Kurt von Rümker-Vorträge. Als weitere Bewerber um den Preis für den besten Vortrag stellten Peter Risser, Hohenheim („QTL-Kartierung der Adultpflanzenresistenz von Weizen gegen Septoria tritici in fünf spaltenden Populationen“), Gina Capistrano, Kiel („A candidate sequence for the nematode resistance gene Hs1-2 in sugar beet“) sowie Manuela Diethelm, Freising („Identifizierung und Kartierung differentiell exprimierter Gene nach F. graminearum Inokulation in Winterweizen“) ihre Forschungsarbeiten vor. Dieser erste Tag klang mit einem gemütlichen Beisammensein in den Räumen des JKI aus. Der zweite Tag begann mit drei weiteren Kurt von Rümker-Vorträgen. Julia Meiners, Hannover („Genetische Diversität und interspezifische Kreuzungen von Helleborus spec.“), Susanne Kohls, Zürich („Unraveling genetic factors controlling the restoration of fertility of C-type cytoplasmic male steriliy in maize“) sowie Amukelani Shiringani, Gießen („Understanding the genetics of bioenery traits in sorghum“) präsentierten und diskutierten Ergebnisse ihrer Forschungsarbeiten. Nach einer Kaffeepause stellte Prof. Dr. Christian Jung von der Christian-Albrechts-Universität in Kiel die sehr umfangreichen Arbeiten zum Thema „Warum Zuckerrüben (nicht) schossen: Die molekularen Grundlagen eines alten züchterischen Problems“ vor. In Versuchen mit Winterrüben wurden schossresistente Genotypen selektiert und weitreichend untersucht. Aus diesen und anderen Experimenten ließe sich schlussfolgern, dass für das Schossen neben dem schon seit längerem bekannten Gen B weitere Gene verantwortlich sind. Die Funktion und Wirkungsweise der an der Blühregulation beteiligten Gene wurden sehr anschaulich erläutert. Eine in der Pflanzenzüchtungsforschung noch relativ neue Methode beleuchtete Prof. Dr. Chris-Carolin Schön von der Technischen Universität München in ihrem Vortrag über „Genomische Vorhersage der Testkreuzungsleistung bei Mais“. Anhand eines Beispieldatensatzes konnte eindrucksvoll gezeigt werden, dass die Genauigkeit der Vorhersage des genetischen Wertes mithilfe der genomischen Selektion sehr hoch ist. Die Vortragende präsentierte Möglichkeiten der Einbindung der Methode in das bestehende Zuchtschema bei Mais. Zusammenfassend sei die genomische Selektion ein vielversprechendes Werkzeug für die Pflanzenzüchtung zumal die Genotypisierungskosten immer günstiger werden. Zum Abschluss der Tagung erfolgte die Verleihung des Kurt von Rümker-Preises, der in diesem Jahr von der GPZ gestiftet wurde. Da alle sieben Vorträge fachlich sehr gut waren, fiel die Bestimmung einer Preisträgerin bzw. eines Preisträgers der dreiköpfigen Jury, bestehend aus Prof. Dr. Heiko Becker, Dr. habil. Günter Welz und Dr. Jeannette Rode, nicht leicht. Letztlich überzeugte Julia Meiners aus Hannover mit ihrem Vortrag „Genetische Diversität und interspezifische Kreuzungen von Helleborus spec.“ die Jury mit der hervorragend gestalteten Präsentation und Vortragsweise sowie ihrer souveränen Diskussion und erhielt den mit 1.000 Euro dotierten 15. Kurt von Rümker-Preis 2011.
Tina Lange, Frank Ordon, Quedlinburg


Werdegang der Preisträgerin:
Dr. Julia Meiners, Jahrgang 1980, studierte Gartenbauwissenschaften an der Leibniz Universität in Hannover von 2002 bis 2007. Anschließend fertigte sie unter Betreuung von Prof. Dr. Traud Winkelmann zunächst an der Staatlichen Forschungsanstalt für Gartenbau Weihenstephan in Freising und dann im Institut für Zierpflanzen- und Gehölzwissenschaften an der Leibniz Universität Hannover ihre Doktorarbeit an mit dem Titel „Genetic relationships and interspecific hybridisations in the genus Helleborus and characterisation of the causal agent of hellebore leaf spot disease“ mit welcher sie im Februar 2011 promoviert wurde. Zur untersuchten Gattung Helleborus gehören u.a. die Christrosen.
Bericht über die 1. Quedlinburger Pflanzenzüchtungstage und
14. Kurt von Rümker Vorträge am 18./.19. März 2009 in Quedlinburg
Organisation: Dir. u. Prof. PD Dr. Frank Ordon, Quedlinburg,
Prof. Dr. Chris-Carolin Schön, München
- 106 Teilnehmer -
Am 18./19.3.2009 fanden gemeinsam organisiert von der GPZ und dem Julius Kühn-Institut (JKI) und mit finanzieller Unterstützung der Gemeinschaft der Förderer und Freunde des Julius Kühn-Institutes, die 1. Quedlinburger Pflanzenzüchtungstage verbunden mit den 14. Kurt von Rümker-Vorträgen statt. Diese Tagung soll zukünftig in zweijährigem Rhythmus in Quedlinburg am JKI stattfinden.
Nach einem Grußwort des Präsidenten des JKI, Herrn Dr. Georg F. Backhaus, berichtete zunächst Herr Prof. Dr. Holger B. Deising von der Martin-Luther Universität in Halle über die „Molekulare Dissektion der Mechanismen pilzlicher Pathogenität an Pflanzen“. Die Thematik erläuterte er am Modellsystem Colletotrichum graminicola, ein pathogener Pilz, der Mais und andere Kulturgräser befällt. Prof. Deising zeigte sehr anschaulich, wie Colletotrichum durch Druckpenetration in die Wirtspflanze gelangt und welche Gene für den Erreger im Verlauf der Pathogenese von Bedeutung sind. Anschließend berichtete Dr. Patrick Schweizer von Leibniz Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK) aus Gatersleben über die „Entdeckung neuer Gene für Krankheitsresistenz in der Gerste durch Hochdurchsatz-Phänomanalyse“. Ziele der von ihm vorgestellten Forschungsarbeiten waren die molekulare Pflanze-Pathogen-Interaktion näher zu charakterisieren und durch den Einsatz eines Kandidatengenansatz agronomisch wichtige Gene zu identifizieren, die an Resistenz-QTLs beteiligt sind. Weiterhin berichtete er über die Entwicklung bzw. Nutzung neuer Methoden (z.B. HIGS) zur Verbesserung von Krankheitsresistenzen. Nach diesen ersten einrahmenden Vorträgen wurde die erste Staffel der Kurt von Rümker-Vorträge gehalten. Es berichteten Anja Hanemann, Gatersleben, über „Feinkartierung des Resistenzgens Rrs2 in Gerste und Entwicklung molekularer Marker für den Einsatz in der Resistenzzüchtung“, Stefanie Reim, Dresden, über „Beiträge zur Bewertung der Umweltverträglichkeit von gentechnisch veränderten Apfelpflanzen“, Dr. Maria Korn, Golm, über „Heterosis in der Frosttoleranz von Arabidopsis thaliana-Kreuzungen“, Dr. Tobias Schrag, Hohenheim, über „Vorhersage der Hybridleistung bei Mais mit molekularen Markern“, Dr. Christin Falke, Hohenheim, über „Gefährdet der Aufbau von Kopplungsungleichgewicht den Selektionserfolg rekurrenter Selektionsprogramme bei Mais?“, Dr. Karin Huber, Wien, über „AB-QTL Kartierung von Ährenfusarioseresistenz in zwei Triticum durum x Triticum dicoccum Populationen“ und Jennifer Häberle, München, über „Effekte von Resistenz-QTL gegen Ährenfusarium in europäischem Winterweizen“. Abgerundet wurde dieser erste Tag mit einem gemütlichen Beisammensein in den Räumen des JKI. Der nächste Tag begann mit weiteren Kurt von Rümker-Vorträgen. Es berichteten Kerstin Krumnacker, München, über „Transkriptombasierte QTL-Analyse der Malzqualität und Markerentwicklung in einer Braugerstenpopulation“, Grit Haseneyer, Gatersleben, über „Sequenz-Polymorphismus und Merkmalsvariation in einer Kollektion von Sommergersten“ und zum Abschluß Dr. Lamiae Ghaouti, Göttingen, über „Local vs. wide adaptation and line vs. synthetic cultivars for organic farming: Case of faba bean“. Anschließend hielt Prof. Dr. Hermann Buerstmayr vom Interuniversitären Department für Agrarbiotechnologie (IFA-Tulln) einen Vortrag zum Thema „Genetik der Resistenz von Weizen gegenüber Ährenfusariosen“. Nach einem umfassenden Überblick über den aktuellen Stand der Literatur stellte Herr Buerstmayr aktuelle Forschungsprojekte des IFA-Tulln vor, die sich mit der Validierung der Sommerweizen-QTLs auf den Chromosomen 3BS und 5A, der genetischen Analyse der Fusarium-Resistenz aus verwandten Arten des Kulturweizens, und der Identifikation und funktionellen Analyse von potentiellen Fusarium-Resistenzgenen befassen. Prof. Dr. Beat Keller von der Universität Zürich weckte bereits vorab auf Grund des Titels seiner Präsentation „Das ABC der dauerhaften Krankheitsresistenz in Weizen“ die Neugier der Tagungsteilnehmer. Er stellte die Ergebnisse eines gemeinsam mit der Commonwealth Scientific and Industrial Research Organisation (CSIRO) in Canberra durchgeführten Projektes vor, in dessen Verlauf das Braunrost-Resistenzgen Lr34 isoliert werden konnte, welches Ähnlichkeit mit PDR-Transportproteinen aufweist und einen ABC-Transporter darstellt. Dieses Gen ist gegenüber verschiedenen Pathogenen wirksam und seine Identifikation ist ein erster wichtiger Schritt zum Verständnis dauerhafter Resistenzmechanismen. Nach diesen sehr interessanten Vorträgen erfolgte die Verleihung des Kurt von Rümker-Preises, der in diesem Jahr von der Saatzucht Josef Breun GmbH & Co KG gestiftet wurde. Da alle Vorträge interessant und hervorragend präsentiert waren, war die Findung der Preisträgerin bzw. des Preisträgers keine leichte Aufgabe für die Jury, die aus Prof. Christian Jung, Prof. Klaus Pillen und Dr. Carl Bulich bestand. Aufgrund des hervorragenden Vortrages und der souveränen Diskussion wurde der Kurt von Rümker-Preis 2009 an Dr. Lamiae Ghaouti, Göttingen, für den Vortrag „Local vs. wide adaptation and line vs. synthetic cultivars for organic farming: Case of faba bean“ verliehen.
(Jeannette Rode, Frank Ordon, Quedlinburg)
Mitteldeutsche Zeitung, 24.3.2009
Kurt-von-Rümker-Vorträge für Pflanzenzüchtung

- Statuten -
Am 1. Juni 1985 stiftete die Arbeitsgemeinschaft Pflanzenzüchtung in der Gesellschaft für Pflanzenbauwissenschaften e.V. den Kurt-von-Rümker-Preis zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses auf dem Gebiete der Pflanzenzüchtung. Dieser Preis trägt den Namen Kurt von Rümkers, der im Sommersemester 1889 in Göttingen die erste akademische Vorlesung über Pflanzenzüchtung hielt, ein Jahr nach seiner Promotion in Halle.
Die Gesellschaft für Pflanzenzüchtung, die am 2. Dezember 1991 in Göttingen gegründet wurde, hat unter ihren Aufgaben auch die Fortführung der Kurt von Rümker-Preisstiftung und die mit ihren Statuten verbundenen Verbindlichkeiten übernommen.
Der Preis wird für den besten Vortrag eines Nachwuchswissenschaftlers zuerkannt, der während einer Vortragstagung der Gesellschaft zu einem Thema der Pflanzenzüchtung gehalten wird. Er soll gleichermaßen junge Wissenschaftler einer größeren Öffentlichkeit vorstellen wie der Diskussion aktueller pflanzenzüchterischer Forschung in der Gesellschaft dienen.
Der Preis ist mit einem Geldbetrag dotiert. Dessen Höhe richtet sich nach dem Spendenaufkommen, das der Gesellschaft für Pflanzenzüchtung für diesen Zweck zugewendet wird bzw. zur Verfügung steht.
Der Preis wird in der Regel zweijährlich ausgeschrieben. Die Ausschreibung wird in den einschlägigen deutschen Fachinstituten durch Aushang bekannt gemacht. Um den Preis kann sich jeder Nachwuchswissenschaftler bewerben, der auf dem Gebiete der Pflanzenzüchtung als Doktorand tätig war und dessen Dissertation im Wesentlichen abgeschlossen ist bzw. dessen Promotion nicht länger als zwei Jahre zurückliegt.
Die Bewerbung geschieht durch Anmeldung eines Vortrages an das Sekretariat der Gesellschaft. Ihr ist eine Kurzfassung des Vortrags und eine Stellungnahme des Betreuers beizufügen. Der Vortrag ist während der dafür vorgesehenen Vortragstagung zu halten. Er soll in der Regel einen Bereich aus der eigenen Forschungsarbeit betreffen. Über die Annahme der Bewerbung entscheidet der Präsident nach Maßgabe der Möglichkeiten des jeweiligen Tagungsprogramms.
Für die Auswahl des Preisträgers benennt der Vorstand der Gesellschaft eine Jury von drei deutschen Fachwissenschaftlern. Diese entscheiden nach Anhörung der Vorträge auf der Tagung. Gegen ihre Entscheidung ist der Rechtsweg ausgeschlossen.
Der Preisträger wird während der jeweiligen Vortragstagung bekanntgegeben. Gleichzeitig werden ihm eine Urkunde und der für den Preis vorgesehene Geld-betrag überrreicht.
Der Vortrag des Preisträgers wird in der Reihe „Vorträge für Pflanzenzüchtung“ veröffentlicht.

