GPZ Veranstaltungen

Ansprechpartner:
Prof. Dr. C.-C. Schön, Weihenstephan
Kurzbericht zur
GPZ Haupttagung vom 15.-17. März 2010
in Freising-Weihenstephan
Vortragstagung gemeinsam mit der AG Züchtungstheorie (2)
Die diesjährige GPZ–Haupttagung (www.gpz-online.de) präsentierte aktuellste Erkenntnisse auf dem Gebiet der Züchtungsmethodik bei Pflanzen. Das Programm umfasste spannende Vorträge zur Anwendung neuester Marker-Technologien, zu populationsgenetischen Fragestellungen sowie zu Synergien zwischen Pflanzen- und Tierzüchtung. Exzellente Redner aus dem In- und Ausland gestalteten eine wissenschaftlich sehr anregende Atmosphäre. In über 25 Vorträgen und mehr als 50 Postern wurden die Entwicklungen sowohl bei den für die Pflanzenzüchtung relevanten molekularen Technologien als auch bei der dafür notwendigen Datenanalyse und Dateninterpretation dargestellt. Während der gesamten Tagung war ein hohes Maß an Diskussionsbereitschaft und wissenschaftlichem Austausch zwischen den mehr als 200 Teilnehmern zu beobachten.

Tagungsteilnehmer in der Diskussion
[©TUM Pflanzenzüchtung]
Begleitet wurde die Tagung durch zwei feierliche Momente: Herrn Prof. Dr. Drs. h.c. Gerhard Röbbelen, Gründungspräsident und langjähriger Sekretär der GPZ, wurde die Ehrenmitgliedschaft in Anerkennung seiner Verdienste um die Gesellschaft für Pflanzenzüchtung e.V. verliehen. Auch wurde erstmalig der mit 30.000 Euro dotierte Forschungspreis der “Günter und Anna Wricke-Stiftung“ (www.wricke-stiftung.de) für Forschungsarbeiten auf dem Gebiet der angewandten Genetik und Züchtungsforschung an landwirtschaftlichen, gärtnerischen oder forstlichen Kulturpflanzen vergeben. Preisträger 2010 ist Dr. Nils Stein vom Leibniz Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK), der für seine zukunftsweisenden Forschungsarbeiten auf dem Gebiet der Genomforschung und anwendungsorientierten Genetik bei Triticeae gewürdigt wurde.

Auszeichnung von
Prof. Dr. Drs. h.c. Gerhard Röbbelen
für seine Verdienste um die
Gesellschaft für Pflanzenzüchtung e.V.
[©TUM Pflanzenzüchtung]

Verleihung des Forschungspreises der
“Günter und Anna Wricke-Stiftung“ durch
Prof. Dr. Jens Léon (Vorsitzender, Wricke Stiftung)
an Dr. Nils Stein [©TUM Pflanzenzüchtung]
Kontakt: Prof. Dr. Chris-Carolin Schön, Weihenstephan
Rückblick auf die 9. GPZ-Tagung in Göttingen
gemeinsam mit der Gesellschaft für Pflanzenbauwissenschaften e.V. (GPW)
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Die satzungsgemäß alle zwei Jahre stattfindende GPZ-Tagung mit Mitgliederversammlung war ausnahmsweise wegen des im Juli 2008 in Berlin stattfindenden Internationalen Genetik-Kongresses in den Herbst verschoben worden. Sie wurde vom 1. bis 2. Oktober in Göttingen gemeinsam mit der Gesellschaft für Pflanzenbauwissenschaften (GPW) durchgeführt. Die örtliche Organisation lag in den Händen von Prof. J. Isselstein, Abt. Futterbau u. Graslandwirtschaft im Department für Nutzpflanzenwissenschaften der Universität, sowie Prof. B. Märländer, Institut für Zuckerrübenforschung in Göttingen. Mit über 280 Teilnehmern erfüllte der Zuspruch aus beiden Gesellschaften alle Erwartungen. Das Rahmenthema der gemeinsamen Plenarveranstaltung lautete: Biodiversität in der Pflanzenproduktion.
Ziel des gemeinsam entwickelten Programms war es, möglichst viel von der Breite dieses Problems aufzuzeigen: von der Ebene der DNA und den Veränderungen der Diversität durch Pflanzenzüchtung, über die Anforderungen an biologische Vielfalt in der Pflanzenproduktion und Grünlandwirtschaft mit allen Krankheiten, Schädlingen und Unkräutern bis hin zu den in agrarischen Biozönosen wirksamen Regelungsprozessen.
Die Tagung eröffneten der Präsident der GPW, Prof. F. Taube, und die Präsidentin der GPZ, Frau Prof. C.C. Schön. Beide erinnerten an die „Ausgründung“ der Pflanzenzüchtung aus der Gesellschaft für Pflanzenbauwissenschaften im Jahre 1991 – nach der deutschen Wiedervereinigung – und bekräftigen zugleich den Willen zu einer zukünftig wieder engeren Zusammenarbeit, die mit dieser Tagung ihren ersten sichtbaren Ausdruck fand.
Das Rahmenprogramm, dem der gesamte erste Tag (01.10.) gewidmet war, gliederte sich in fünf Themen, die jeweils durch einen eingeladenen Einführungsvortrag eröffnet und durch Beiträge detailliert wurden, die aus den Anmeldungen der Tagungsteilnehmer ausgewählt waren. Thema 1 lautete: „Erfassung und Nutzung genetischer Diversität“. Die Einführung dazu gab Prof. K. Schmid, Universität Uppsala, mit einem hervorragenden Überblick über „Populationsgenetische Methoden zur Untersuchung pflanzengenetischer Ressourcen“. Zunächst stellte er Untersuchungen und Ergebnisse an der Modellpflanze Arabidopsis thaliana vor, um anschließend deren züchterische Relevanz für Arbeiten an Reis und Gerste aufzuzeigen. Es folgte ein Beitrag von Dr. A. Börner, Gatersleben, zur „Genetischen Diversität in ex-situ-Genbanken - Erhalt und Nutzbarmachung“. Hier ging es insbesondere um die Langzeitlagerung genetischer Ressourcen in einem Dauerfroststollen in Spitzbergen sowie eigene Untersuchungsergebnisse über die Samenkeimfähigkeit in Abhängigkeit von der Lagerungsdauer. Anschließend berichtete Dr. H. Spieß, Bad Vilbel, über die „Quellen von Brandresistenzen bei Weizen, Gerste und Hafer zur Nutzung im Ökologischen Landbau“. Denn in diesem Anbausystem ist für den Weizen die Entwicklung genetischer Resistenz gegen Steinbrand ein besonders dringliches Problem. Mit der Vorstellung eines methodischen Konzepts zum „Aufbau von genetisch diversen Ramschpopulationen für die Wintergerstenzüchtung“ beschloss Prof. J. Léon, Bonn, das erste Thema, indem er sehr anschaulich die Erstellung von „Evolutionsramschen“ und deren züchterische Nutzungsmöglichkeiten im Zeitalter molekularer Techniken erläuterte.
Das zweite Thema „Acker- und Pflanzenbau, Fruchtfolge, Mischanbau“ begann Prof. A.
Werner, Müncheberg, mit einem Vortrag zur Frage „Hohe Biodiversität und hohe Produktionseffizienz im Ackerbau - Dilemma oder Chance?“. Er charakterisierte die negativen Auswirkungen einheitlicher Strukturen moderner Kulturpflanzenbestände auf die Biodiversität und zeigte geeignete Maßnahmen zur Problemlösung auf. In dem anschließenden Beitrag über die Frage „Haben Fruchtfolgen noch eine Bedeutung im modernen Pflanzenbau?“ behandelte Prof. O. Christen, Halle, das Für und Wider aus verschiedenen Blickwinkeln, während Dr. R. Stülpnagel, Witzenhausen, „Chancen der Fruchtfolgeerweiterung im Energiepflanzenbau durch das Zweikultur-Nutzungssystem“ vorstellte und dabei insbesondere auf die Problematik der verstärkten Bodenerosion durch Maisanbau einging. Im letzten Beitrag zu diesem Thema berichtete Frau A. Neumann, Göttingen, über „Optimierung von Mischbeständen: Vergleich des substitutiven und additiven Ansatzes anhand eines Erbsen-Hafer-Gemenges“.
Gegenstand des dritten Themas waren „Krankheiten, Schädlinge, Unkräuter“. Diesen Teil leitete Prof. A. von Tiedemann, Göttingen, ein mit einer anschaulichen Übersicht zu „Biodiversität und Pflanzenschutz“. Im Mittelpunkt standen Untersuchungen zur mikrobiellen Biodiversität in der Phyllo- und Rhizosphäre und deren Beeinflussung durch Vorfrüchte, Bodenbearbeitung und andere Pflanzenbaumaßnahmen. Solche veranschaulichte Dr. H.J. Koch, Göttingen, anschließend anhand von „Fusariumbefall von Winterweizen - Vergleichende Bewertung verschiedener Anbaumaßnahmen“ und belegte, dass durch konservierende Bodenbearbeitung der Fusariumbefall ansteigt. Mit einem Beitrag „Zwischen Biodiversität und Produktivität - Ackerunkräuter und deren Bekämpfung“ rundete Frau Prof. B. Gerowitt, Rostock, diese Thematik ab. Dabei erörterte sie den Widerspruch zwischen Produktivität und Biodiversität und schlussfolgerte, dass eine artenreiche, individuenarme Verunkrautung durchaus von Vorteil und deshalb anzustreben sei.
Thema 4 lautete: „Grünlandwirtschaft, Ökosystemleistung, Biomasse“. Die Einführung gab Prof. N. Buchmann, Zürich, mit einem Vortrag über „Biodiversität zur Erhöhung von Ökosystemleistungen: ein neuer Produktionsfaktor in der Graslandbewirtschaftung?“ Dessen Quintessenz war der Schluss, dass mit zunehmender Biodiversität insgesamt auch die Leistung des Ökosystems ansteigt. Anschließend referierte Dr. U. Thumm, Hohenheim, über „Graslanddiversität und Produktivität“, wobei Gegenstand der Untersuchungen insbesondere die Konkurrenzsituation im Wurzelbereich war. Unter der Überschrift „Einfluss der Betriebsstruktur auf die pflanzliche Vielfalt im Wirtschaftsgrünland - Ein Vergleich von Fleisch- und Milchviehbetrieben“ zeigte H.G. Stroh, Göttingen, dass die artenreichsten Grünlandflächen in Betrieben mit Mutterkuhhaltung zu finden sind. Zuletzt berichtete M. Himstedt, Witzenhausen, von erfolgreichen Arbeiten zur „Erprobung der bildanalytischen Bestimmung von Leguminosen-anteilen im Freilandversuch“, mit denen durchaus verlässliche Schätzwerte zu erreichen sind.
Als Auftakt zum 5. Thema: „Regelungsprozesse der Biodiversität“ berichtete Frau Prof. A. Otte, Gießen, über die „Prognose der Veränderungen floristischer Biodiversität in Agrarlandschaften“, insbesondere durch Modellierung von Einflüssen zukünftiger Nutzungsänderungen auf die Biodiversität mittels geeigneter Software. Ergänzt wurde dieser Vortrag durch einen Beitrag zur „Bewertung des Biodiversitätspotenzials pflanzenbaulicher Syteme“, in welchem N. Siebrecht, Freising, die Wirkung unterschiedlicher Betriebssysteme auf die Biodiversität darstellte. Ein weiterer Vortrag von J. Hoffmann, Braunschweig, befasste sich mit der „Lebensraumqualität für Vogelarten der Agrarlandschaft unter besonderer Berücksichtigung von Maisflächen und selbstbegrünten Ackerbrachen“. Als Ergebnis konnte hier gezeigt werden, dass ein verstärkter Maisanbau für die Verwendung in Biogasanlagen die Anzahl vorkommender Vogelarten verringert und zu einer Abundanz von Indikatorarten führt. Schließlich berichtete B. Waßmuth, Göttingen, über die „Verbesserung der Ackerwildpflanzendiversität in Randstreifen durch intraspezifische Aggregation“. Ihre Untersuchungen ergaben, dass sich durch Ackerrandstreifenprogramme die Artenvielfalt nicht über alle Arten gleichmäßig erhöhen lässt.
Im Anschluss wurden die Plenarvorträge am späten Nachmittag durch eine intensive Demonstration von 68 Postern ergänzt, vor denen in 5 geführten Gruppen Tagungsteilnehmer eigene, für das Rahmenthema relevante Arbeiten und Ergebnisse vorstellten. Die GPZ beendete das Programm an diesem Haupttag der Tagung mit ihrer Mitgliederversammlung (siehe das nachfolgende Protokoll), an der auch zahlreiche GPW-Mitglieder als Gäste teilnahmen – ein weiteres Zeichen des gegenseitigen Interesses. Danach wanderte man gemeinsam in die „Mensa am Turm“ zum Gesellschaftsabend, der über ein reichhaltiges Büffet hinaus ausgiebig Gelegenheit zu persönlichen Gesprächen bot. Überdies gab Dr. F. Schmitz, der Geschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Pflanzenzüchter in Bonn, in einem ‚After-Dinner-Speech’ einige Informationen und Erlebnisse von der internationalen UN-Konferenz zur Biodiversität zum Besten, zu der sich in der zweiten Maihälfte dieses Jahres über 5.000 Regierungsvertreter, NGOs und Fachleute aus aller Welt für zwei Wochen in Bonn versammelt hatten.
Dem Haupttag vorgeschaltet war am Nachmittag (30.09.) vorher die 51. Jahrestagung der GPW sowie seitens der GPZ ein Symposium zum Thema: Friedrich Körnicke – 100 Jahre Forschung zur Evolution des Weizens.
Dass ein Ur-Emmer als eine der Weizen-Stammformen zu gelten habe, hatte Friedrich Körnicke, Botaniker und Kulturpflanzenforscher an der damaligen Landwirtschaftlichen Akademie in Bonn-Poppelsdorf, bereits über Jahrzehnte zuvor als Annahme vertreten. Aber erst als Aaronsohn im Jahre 1908 im nördlichen Palästina im Gebiet des Berges Hermon erstmals „schönste Exemplare“ eines solchen wilden Emmers, Triticum dicoccoides Körnicke, auffinden konnte, wurde diese These wenige Tage vor Körnickes Tod unabweisbar.
Den Einstieg in das Symposiumsthema gab Prof. K. Hammer, Witzenhausen, der als Leiter der GPZ-AG 5 „Genetische Ressourcen“ die Veranstaltung angeregt und ihre Organisation übernommen hatte. Nach seinen Worten galt Friedrich Körnicke (* 29.01.1828 in Pratau,
† 16.01.1908 in Bonn) zu seiner Zeit als weltweit anerkannter Cerealienforscher. Das von ihm mit herausgegebene "Handbuch des Getreidebaues" (Körnicke u. Werner 1885) fasste das Wissen über die Getreide in vorbildlicher Weise zusammen. Besonders bedeutsam war seine Entdeckung des Wildemmers (Triticum dicoccoides), die seinen Ruf als Weizenforscher festigte (1889). Posthum (1908) erschien seine wichtige Arbeit zur Evolution des Weizens, besonders im infraspezifischen Bereich, aber auch hinsichtlich der Evolution der Arten (so z.B. bezüglich der Rolle von Aegilops in der Weizenevolution). Als klassischer, überwiegend morphologisch arbeitender Systematiker hatte Körnicke die Bedeutung der aufkommenden Genetik noch nicht voll erkannt. Aber er entwickelte ein diagnostisches System für den Weizen, das im Zuge der Biodiversitätsforschung heute eine Renaissance erleben könnte. Die englische Übersetzung einer umfassenden russischen Monographie zum Weizen auf der Basis der Arbeiten Körnickes befindet sich in Vorbereitung. Körnicke leitete über lange Zeit den ökonomisch-botanischen Garten in Bonn-Poppelsdorf und gehört damit auch zu den Vätern moderner Genbanken. Als Pflanzenzüchter verstand er sich nicht, interessierte sich aber sehr für diese Tätigkeit und stand mit Pflanzenzüchtern seiner Zeit in engem Kontakt. Dieses konnte Dr. A. Meinel, Heimburg, in seinem nachfolgenden Beitrag: „Ein aufschlussreicher Briefwechsel zwischen F. Körnicke und W. Rimpau“ eindrucksvoll belegen. Anschließend gab Prof. F. Zeller, Freising, Hinweise zur Bedeutung des von Körnicke als Weizenstammform erkannten Wildemmers für die heutige Weizenzüchtung. Neue Ergebnisse zur Geographie und Domestikation von Triticum dicoccoides trug Dr. H. Özkan, Adana, vor. Ein weiterer, thematisch hier anschließender Vortrag von Dr. B. Kilian, Gatersleben, über „Genetische Diversität, Evolution und Domestikation der Triticeae im Fruchtbaren Halbmond“ war vom Autor für die "Kurt-von-Rümker-Vorträge" angemeldet worden und eröffnete am letzten Vormittag diesen Abschnitt des Tagungsprogramms.
Der zweite Teil des Symposiums konzentrierte sich ganz auf die Relevanz der Arbeiten Körnickes für die moderne Weizenzüchtung. Einen Überblick über aktuelle Probleme gaben Prof. T. Lelley, Tulln: „Neue Ergebnisse über die genetische Struktur des 1 RS-Chromosoms“, Dr. R. Schachschneider, Böhnshausen: „Wie entwickeln Weizenzüchter nutzbare genetische Variabilität?“, U. Hähnel, Quedlinburg: „Reduktion des allergenen Potentials des Weizens“ und J. Ahlemeyer, Gießen: „Biomasse- und Biogas-Ertragsleistung von Winterweizensorten“.
Auch der abschließende Beitrag von Dr. J.C. Reif, Hohenheim, mit dem Thema „Diversitätstrends europäischer Maissorten“ knüpfte an die beachtliche wissenschaftliche Vielseitigkeit Körnickes an, mit der dieser bereits früh Untersuchungen zur Xenienbildung beim Mais angestellt hatte. Damit konnte das Körnicke-Symposium von Seiten der Züchtungsforschung und Pflanzenzüchtung mit weiteren interessanten Aspekten zum Thema Biodiversität beitragen.
(K. Hammer, Witzenhausen)
Der letzte Halbtag der Veranstaltung (02.10.) begann mit zwei parallelen Vortragsreihen der beiden Gesellschaften, in denen jüngste Promotionsarbeiten vorgestellt wurden, bei der GPW für den „Ernst Klapp-Zukunftspreis“ und der GPZ für den „Kurt von Rümker-Preis“. Um den dieses Mal von der KWS Lochow GmbH, Bergen/Wohlde gestifteten Rümker-Preis hatten sich sieben Nachwuchswissenschaftler aus verschiedenen deutschen Universitäts- und Forschungsinstituten beworben:
Dr. Benjamin Kilian, Gatersleben: „Genetische Diversität, Evolution und Domestikation der Triticeae im Fruchtbaren Halbmond“; Dr. Antje Kunert, Weihenstephan: „QTL für agronomische und Qualitätsmerkmale in zwei fortgeschrittenen Rückkreuzungspopulationen aus Winterweizen“; Dr. Tina Lange, Kiel/Göttingen: „Quantitativ-genetische und molekulargenetische Untersuchungen zur Vererbung der Speicherwurzelbildung in B. napus“; Dr. Friedrich Longin, Hohenheim: „Optimaler Einsatz der DH-Technik in die Hybridmaiszüchtung“; Dr. Christof Stoll, Giessen: „Entwicklung und Charakterisierung neuer Rapsgenotypen mit gentechnisch veränderter Fettsäurezusammensetzung“; Dr. Alexa Telgmann-Rauber Kiel/Athens: „Molekulare Analyse und züchterische Nutzung des geschlechtsdeterminierenden Locus M im Spargel“ und Dr. Peter Westermeier, Weihenstephan: „Entwicklung und Validierung von SNP-Markern zur Sortenunterscheidung in Raps“.
Die Jury, bestehend aus den Herren Dr. E. Ebmeyer, Dr. F. Ordon und Prof. H.. Becker, beurteilte alle diese engagiert präsentierten Vorträge als zweifelsfrei preiswürdig. Da jedoch nur ein Preis zu vergeben war, einigte man sich nach ausgiebiger Beratung darauf, Frau Dr. A. Telgmann-Rauber mit dem Rümker-Preis 2008 auszuzeichnen. Alle Rümker-Vorträge werden im Frühjahr 2009 in Heft 78 der Vortr. Pflanzenzüchtg. in Kurzfassung veröffentlicht werden.
Den Abschluss fand die Veranstaltung mit einem Festvortrag von Prof. H. de Haen, Göttingen, der als ehem. Vice-Director General der FAO mit Daten aus erster Hand über „Biodiversität und Welternährung“ aufwarten konnte. Er skizzierte die möglichen Folgen eines Artenverlustes für die Welternährung, erörterte die Problematik der Konservierung von Biodiversität in Genbanken, betonte die Bedeutung der Biodiversität für die weltweit zunehmend erforderlichen Ertragsteigerungen und ging schließlich auf pflanzenzüchterische Möglichkeiten einschließlich gentechnischer Methoden zur Sicherung der Welternährung ein. Zusammenfassend konstatierte er, dass Biodiversität zu einem Ziel mit gesellschaftlicher Priorität erklärt werden muss.
Insgesamt standen im Rahmen dieser zweitätigen Veranstaltung zwar keine pflanzenzüchterischen Details zur Erfassung und Nutzung von Biodiversität zur Diskussion. Aber es wurde ein hervorragender Überblick über alle Facetten der Biodiversität gegeben, wie er in dieser komprimierten Form sonst nur schwer zu finden ist. Von allen Vorträgen und Postern der Tagung sollen zeitnah in Heft 77 der Vortr. Pflanzenzüchtg. zumindest Kurzfassungen erscheinen.
(F. Ordon und G. Röbbelen)
Rückblick auf die Tagung: "Züchtungsforschung im Neuen Haus"
am 15. Mai 2007
Bundesanstalt für Züchtungsforschung an Kulturpflanzen (BAZ), Quedlinburg
Züchtungsforschung im Neuen Haus
Am 15. Mai 2007 hatte sich die GPZ zu einem „Antrittsbesuch“ in den neuen Einrichtungen der Bundesanstalt für Züchtungsforschung an Kulturpflanzen (BAZ) auf dem Moorberg in Quedlinburg angesagt. Diese Einladung fand unter den GPZ-Mitgliedern großen Zuspruch. An die 150 Teilnehmer konnte Dir. u. Prof. Thomas Kühne als kommissarischer Leiter der BAZ begrüßen, als er die Veranstaltung gegen 11 Uhr eröffnete.
Als erster Redner hieß Herr Ministerialdirigent Bernd Hermelingmeier die Anwesenden im Namen des Dienstherrn, des Bundesministers für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, im neuen Haus willkommen. In seiner Ansprache, deren Wortlaut als Anhang zu diesem Bericht nachlesbar ist, skizzierte er insbesondere die Aufgaben, denen sich die Züchtungsforschung im zukünftigen Julius-Kühn-Institut, Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen, im Rahmen des neuen Forschungskonzepts des BMELV vorrangig widmen soll. Dem Institut wünschte er abschließend auch weiterhin eine gedeihliche Zusammenarbeit mit der GPZ.
Züchtungsforschung, so berichtete Dir. u. Prof. Kühne, begann in Quedlinburg vor mehr als 70 Jahren, als Dr. Gustav Becker, zuvor Wissenschaftlicher Assistent von Prof. Fritz von Wettstein in Göttingen, dem Angebot der Gebr. Dippe AG folgte, am Hauptsitz des Weltunternehmens eine Forschungsabteilung aufzubauen. Nach Unterzeichnung seines Anstellungsvertrags am 5. März 1935 nahm er seine Tätigkeit in dem Dippeschen Anwesen am Neuen Weg auf. Nach dem Zusammenbruch des Deutschen Reiches 1945 gelang es Becker, die wichtigsten Saatzuchtbetriebe in Quedlinburg, Dippe, Mette und Schreiber, im Vollzug des Befehls Nr. 58 des Obersten Chefs der Sowjetischen Militär-Administration arbeitsfähig zu erhalten und nach weiteren Verhandlungen mit der Berliner Zentralregierung in den ehemaligen Dippeschen Forschungs- und Versuchslaboratorien bereits 1947 die Errichtung eines Instituts für Pflanzenzüchtung zu erwirken. Dieses erste staatliche Forschungsinstitut für Pflanzenzüchtung in der SBZ mit seinen drei Abteilungen für die Gemüse- und einer für die Blumenzüchtung, für das ab 1950 unter seiner Leitung am Neuen Weg Schritt für Schritt die Labor- und Gewächshausanlagen ausgebaut wurden, prägte Becker mit einer Gruppe kompetenter Mitarbeiter, in der er auch erfahrene Naturwissenschaftler für die Züchtungsforschung zu begeistern verstand. Nach der Wiedervereinigung Deutschlands zog 1992 die Bundesanstalt für Züchtungsforschung an Kulturpflanzen in die Gebäude ein. Doch schon bald wurde deutlich, dass der historische Standort für eine moderne Forschung nicht zureichend ausbaufähig war, so dass das zuständige Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten 1996 einen Neubaus beschloss. Dieser wurde im September 2003 mit der Gewächshausanlage im Versuchsgelände des Instituts auf dem Moorberg in Quedlinburg begonnen und konnte um die Jahreswende 2006/7 bezogen werden.
Dieser historischen Einführung folgten Kurzberichte der Instituts- und Arbeitsgruppenleiter der vier im neuen Haus vereinigten BAZ-Institute über ihr jeweiliges Arbeitsprogramm:
- Für das Institut für gartenbauliche Kulturen skizzierte Dir. u. Prof. Günter Schumann im Rahmen von Forschungsfragen zu pflanzengenetischen Ressourcen, Ursachen der Merkmalsausbildung und Züchtungsmethodik die breite Palette der aktuellen Arbeiten zur Angewandten Genetik, In-vitro-Kultur, Molekulargenetik, Zytologie und Phytopathologie an ausgewählten Vertretern des Gemüses (Allium, Daucus, Brassica u.a.), der Arznei- und Gewürzpflanzen (Petersilie, Fenchel u.a.) und einzelner Zierpflanzen (Pelargonie, Hydrangea, Gaultheria, Rhododendron u.a.).
- Dir. u. Prof. Hartwig Schulz betonte insbesondere die zahlreichen Querschnittsaufgaben seines Instituts für Pflanzenanalytik, die dieses im Verbund mit anderen Arbeitsgruppen der Bundesanstalt versieht, indem u.a. Duftspektren an lebenden Rosenblüten aufgenommen, bei Erdbeere, Spargel und Möhre eine genetische Karte für Aromastoffe erstellt oder mit Mikro-Raman-Spektroskopie histologische Entwicklungsmuster der Carotinoid-Synthese in Viola-Blüten analysiert werden.
- Im Institut für Resistenzforschung und Pathogendiagnostik geht es nach Dir. u. Prof. Thomas Kühne u.a. um Fragen der Resistenz von Roggen und Weizen gegen bodenbürtige Viren, serologische Nachweismethoden von Monilia in Kirschen, die Entwicklung von Antiseren gegen Mykotoxine oder eine elektronenmikroskopische Darstellung der verschiedensten Bakterien-, Viren- oder Pilzerkrankungen.
- Dir. u. Prof. Frank Ordon verfolgt mit seinen Mitarbeitern im Institut für Epidemiologie und Resistenzressourcen Aufgaben im Zusammenhang mit der Resistenzevaluierung und molekularen Charakterisierung von pflanzengenetischer Ressourcen, dem Auftreten und der regionalen Ausbreitung von Schaderregern, der Entwicklung neuer Virulenzen bei Viren, Bakterien und Pilzen sowie der molekularen Nutzung von Resistenzen (QTL-Pyramidisierung u.a.) im Hinblick auf eine nachhaltige(re) Krankheitsresistenz von Kulturpflanzen.
- Als Arbeitsgruppe innerhalb der BAZ bearbeitet das Forschungs- und Koordinierungszentrum für pflanzengenetische Ressourcen, wie sein Leiter Prof. Lothar Frese als letzter Redner erläuterte, Fragen des Ressourcen-Managements am natürlichen Standort anhand einiger Beispiele (so die Gattung Beta) wie auch Konzepte zur Erstellung von Datenbanken und einschlägigen Informationssystemen.
Solchermaßen vorinformiert, besuchten die Teilnehmer anschließend nach eigener Vorwahl eines der vier Institute, um dort vor Ort in kleinen Gruppen jeweils drei repräsentative Forschungsthemen in Augenschein zu nehmen und zu diskutieren und zugleich einen Blick in die einladend hellen, funktionsgerecht und gut ausgestatteten, modernen Laboratorien zu tun. Die Stunde dieser Besichtigung erstreckte sich unter Fortsetzung der angeknüpften Gespräche gleitend in die Mittagspause, in der gleichermaßen bestens organisiert auch für das leibliche Wohl der großen Teilnehmerschar am Büfett in der Cafeteria sowie im Foyer der BAZ bestens gesorgt war.
Mit einer informativen Powerpoint-Präsentation der beeindruckenden Gewächshausanlage bereitete ihr Technischer Leiter, Herr Steffen Schwarz, auf den nachfolgenden Rundgang vor, bei dem wissenschaftliche und technische BAZ-Mitarbeiter neben den bereits voll genutzten Einrichtungen auch weitere laufende Forschungsarbeiten demonstrierten.
Eine gelungene Abrundung der Veranstaltung stellten zuletzt drei Vorträge aus dem Kreise der angereisten Gäste dar, in denen diese neben Glückwünschen zu den bemerkenswerten Investitionen am neuen Standort unter anderem auch zukünftige Forschungsmöglichkeiten und -kooperationen ansprachen.
- Aus der Sicht eines Universitätslehrers stellte Prof. Heiko Becker, Göttingen, die Kriterien der universitären Forschung denen der Ressortforschung gegenüber und leitete daraus ab, dass sich beide Seiten in vielerlei Hinsicht optimal ergänzen und zu sehr Erfolg versprechenden Netzwerken zusammenfügen können, was er mit mehreren Beispielen aus der eigenen niedersächsischen Erfahrung anschaulich belegte.
- Als wenige Tage alter Leiter des benachbarten IPK Gatersleben erinnerte Prof. Andreas Graner an die seit Gründung der Bundeszentrale ex-situ Genbank Gatersleben verabredete Aufgabenteilung in der Bearbeitung der pflanzengenetischen Ressourcen in Deutschland, bei der der BAZ neben der Evaluierung pflanzengenetischer Ressourcen im Besonderen der Bereich der in-situ- und on-farm-Erhaltung übertragen wurde und gab der Hoffnung Ausdruck, dass die schon während der DDR geübte fruchtbare Zusammenarbeit zwischen der Genbank Gatersleben und dem Quedlinburger Institut für Pflanzenzüchtung mit neuem Leben, d.h. gemeinsamen Forschungsprojekten, erfüllt wird.
- Dr. Martin Frauen, Hohenlieth, begründete als Vertreter eines privaten Pflanzenzuchtunternehmens, welche Aufgaben aus seiner Sicht im Gebiet der angewandten Pflanzengenetik einer Ressortforschung im Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbrauchersicherheit zukommen. Zu denen zählte er beispielsweise eine vorausschauende Lokalisation von Befallsgebieten und die Resistenzdiagnostik, die Erforschung pflanzlicher Anpassungsmechanismen an sich wandelnde Klimafaktoren, die Weiterentwicklung moderner pflanzenanalytischer Methoden, die Rohstoffoptimierung für eine Biogaserzeugung oder auch Forschungen zur Nutzung von Gentechnik bei Kulturpflanzen.
Die abschließende Diskussion, in der noch einmal die Voraussetzungen für die speziellen Aufgaben einer Bundesforschungsanstalt als Quelle einer effizienten Politikberatung herausgestellt wurden, beendete als letzter Redner Dr. Carl Bulich, GFP Bonn, mit dem Dank an die GPZ, dass sie hier erneut die Diskussion eröffnet und dabei die gemeinsamen Forschungsbemühungen um leistungsfähige Kulturpflanzen so überzeugend als den gemeinsamen Mittelpunkt herausgestellt habe.
(G. Röbbelen, Göttingen)
Anhang:
- Begrüßungsrede von Herrn Min.Dirigent Bernd Hermelingmeier, BMELV, Bonn
- Ausgewählte Charts der PP-Präsentationen von
...1. Prof. Heiko Becker, Göttingen
...2. Prof. Andreas Graner, Gaterslenben
...3. Dr. Martin Frauen, Hohenlieth






