17. Arbeitsgebiet: Arznei- und Gewürzpflanzen

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Bericht über den Workshop "Molekulargenetische Züchtungsmethoden für Arznei- und Gewürzpflanzen" der AG Arznei- und Gewürzpflanzen (AG 17) der Gesellschaft für Pflanzenzüchtung (GPZ) am 21. September 2011, Berlin
- ca. 55 Teilnehmer -
Der Workshop „Molekulargenetische Züchtungsmethoden für Arznei- und Gewürzpflanzen“ wurde von der GPZ AG17 veranstaltet und war Bestandteil der 6. Fachtagung Arznei- und Gewürzpflanzen, ausgerichtet vom Deutschen Fachausschuss für Arznei-, Gewürz- und Aromapflanzen und der Humboldt-Universität zu Berlin, Landwirtschaftlich-Gärtnerische Fakultät. Veranstaltungsort war das Hauptgebäude der HU in Berlin-Mitte.
Organisation und Leitung: Dr. F. Marthe, Inst. f.
Züchtungsforschung an gartenbaulichen Kulturen und Obst
– Quedlinburg des Julius Kühn-Institutes, Leiter der
GPZ AG 17
Ziel des Workshops war, aktuelle Methoden aus dem sehr dynamischen
Bereich molekulargenetischer Verfahren vorzustellen und eine
potentielle oder ggf. bereits bestehende Nutzung für die
Analyse und züchterische Verbesserung von Arznei- und
Gewürzpflanzen auszuloten
Im Beitrag „Moderne molekularbiologische
Züchtungsmethoden, neue Möglichkeiten für
die Arznei- und Gewürzpflanzen!“ wurden von F.
Hartung, Quedlinburg, Verfahren und methodische Entwicklungen
vorgestellt, die es erstmalig erlauben, gezielt definierte Gene in
einem pflanzlichen Genom zu verändern. Basis für
diese Entwicklung sind maßgeschneiderte Enzyme zur Induktion
von Doppelstrangbrüchen der DNA. Die
Nukleasetechnologiesysteme Meganukleasen, Zinc Finger Nukleasen und
TALE Nukleasen versprechen bisher unerreichte Effizienz und
Präzision bei der Erzeugung von Punktmutationen, der
Rekombination und der Deletion von Genen. Diese Techniken
benötigen in erheblichem Umfang DNA-Sequenzdaten, die mit
Hilfe der next generation sequencing Technologien schnell und im
Vergleich zu bisherigen Sequenzierverfahren zu erheblich geringeren
Kosten spezifisch für die Art, aber auch bereits spezifisch
für einen Genotyp erzeugt werden können.
Die Methoden des “Next generation sequencing in der
Züchtung von Arznei- und Gewürzpflanzen“
wurden von J. Novak, Wien, eingehend beleuchtet. Die Darstellung
umfasste Einführungen zu den gegenwärtig genutzten
Technologien, den damit verbundenen Vor- und Nachteilen und den zu
erwartenden Entwicklungen. Neben der erheblichen Kostenreduzierung der
next generation sequencing Technologien ist die Nutzung von
Markertechniken, wie der single nucleotide polymorphims, SNPs und
direkt mit dem Gen assozierter Marker, genetic molecular markers, GMM
als Technik zur gezielten und damit schnellen Selektion
erwünschter Genotypen von besonderer Bedeutung.
Gegenwärtig liegen für die markergestützte
Selektion in Arznei- und Gewürzpflanzen nur wenige
Anwendungsbeispiele vor. Spätestens jedoch mit der
technologischen Ausreife bereits in der Entwicklung befindlicher neuer
Sequenzierverfahren wird durch weiter sinkende Kosten die Nutzung
molekularer Marker auch im Bereich der Arznei- und
Gewürzpflanzen in die Zuchtschemata eingebunden werden.
H.
Budahn, Quedlinburg, berichtete über die
„Charakterisierung der intraspezifischen
Variabilität bei Petersilie mittels molekularer Marker sowie
klassischer und nicht-zielgerichteter Bestimmung flüchtiger
Inhaltsstoffe“. Für 219 unterschiedliche
Herkünfte von Petersilie (Petroselinum
crispum) wurde in einem
interdisziplinären Ansatz morphologische, agronomische und
inhaltsstoffliche Merkmale erfasst sowie aus über 200
molekularen Markern, überwiegend AFLP, die genetische Distanz
der Akzessionen errechnet. Die hieraus resultierende Gruppierung der
Akzessionen wurde mit Daten zur Zusammensetzung des
ätherischen Blattöls, gewonnen durch klassische
Hydrodestillation und Daten eines holistischen Ansatzes zur Erfassung
aller flüchtigen Substanzen aus dem Blatt mittels der
automated headspace solid phase microextraction, HS-SPME mit
anschließender Eluierung und Gaschromathographie, GC
verglichen. Für diesen Vergleich wurden die resultierenden
Daten mittels Principal Componant Analysis, PCA verrechnet. Es
resultieren zwei klar voneinander getrennte Hauptgruppen die nahezu
vollständig denen aus der Berechnung der genetischen Distanzen
entsprechen. Gleiches gilt für die Daten aus der
Ätherischöldestillation. Aus diesen Arbeiten sind
vielfältige Informationen erwachsen, die u.a. für
zukünftige züchterische Ansätze genutzt
werden können.
Die lebhafte und umfassende Diskussion hatte in
Fragen nach der Einordnung der neuen molekularbiologischen Methoden zur
gezielten Veränderung definierter Gene einen Schwerpunkt. Es
ist zu erwarten, dass die neuen Methoden der gezielten
Genomveränderung dem Gentechnikgesetz unterstellt werden.
Unabhängig von der gegenwärtigen gesellschaftlichen
Ablehnung gentechnischer Methoden wurden die potentiellen
Anwendungsmöglichkeiten auch und besonders für
Arznei- und Gewürzpflanzen betont, etwa durch gezielte
Unterbindung der Synthese unerwünschter Inhaltsstoffe bei
gleichzeitiger Steigerung erwünschter Stoffe oder der Synthese
wirksamerer Derivate. Aber auch für konventionelle
Ansätze der züchterischen Verbesserung resultieren
Möglichkeiten den Zuchtgang wesentlich zu verkürzen
und damit effektiver zu gestalten bzw. erstmalig in Angriff zu nehmen.
Mehrseitige Kurzfassungen der Referate sind publiziert im Tagungsband
Innovation, Vielfalt und Nutzen, Kurzfassungen der Vorträge
und Poster, Humboldt-Universität zu Berlin,
Landwirtschaftlich-Gärtnerische Fakultät, Berlin, 224
Seiten, ISBN 978-3-86004-280-9.
Quedlinburg, den 16. 12. 2011
Dr. F. Marthe
Bericht der gemeinsamen Tagung der AG Arznei- und Gewürzpflanzen (AG 17)
der Gesellschaft für Pflanzenzüchtung (GPZ) mit der Arbeitsgemeinschaft Heil- und Gewürzpflanzen der Gesellschaft für Pflanzenbauwissenschaften (GPW) zum Thema
„Anbau und Züchtung von Zitronenmelisse (Melissa officinalis)“
am 6. Oktober 2009, Quedlinburg
Die GPZ Arbeitsgruppe Arznei- und Gewürzpflanzen veranstaltete am 6. Oktober 2009 eine Vortrags- und Diskussionstagung im Institut für gartenbauliche Kulturen und Obst – Quedlinburg (ZGO-Q).
Seit der letzten separaten Sitzung der Arbeitsgruppe im August 2006
waren wir im Jahr 2008 Mitveranstalter der 5. Fachtagung Arznei- und
Gewürzpflanzen und des 18. Bernburger Winterseminars. In der
zurückliegenden Zeit gab es eine Reihe von
Veränderungen. Die diesjährige Tagung wurde erstmalig
gemeinsam mit der Arbeitsgruppe Heil- und Gewürzpflanzen der
Gesellschaft für Pflanzenbauwissenschaften unter Leitung von
Prof. Dr. B. Honermeier, Gießen ausgerichtet.
Nach dem Übergang des Gründers und
langjährigen Leiters der GPZ – AG 17, Herrn Dr. F.
Pank in den Ruhestand im Jahr 2006 wird die Arbeitsrichtung am Institut
für Züchtungsforschung an gartenbaulichen Kulturen
und Obst – Quedlinburg (ZGO-Q) fortgeführt. Im Zuge
der Neustrukturierung der Ressortforschung im Geschäftsbereich
des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft
und Verbraucherschutz bildet das ZGO-Q seit 2008 gemeinsam mit den
Instituten der vormaligen Bundesanstalt für
Züchtungsforschung an Kulturpflanzen (BAZ), der Biologischen
Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft (BBA) und zwei
Instituten der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft
(FAL) das Julius Kühn-Institut, Bundesforschungsinstitut
für Kulturpflanzen (JKI).
Ein wichtiges Anliegen des Institutes für
Züchtungsforschung an gartenbaulichen Kulturen und Obst
– Quedlinburg ist die Entwicklung von Methoden und
Strategien, die genetische Ressourcen für den Arznei- und
Gewürzpflanzenanbau erschließen und die biologische
Vielfalt erhöhen. Die Forschung ist dabei auf die
Produktqualität und die Erzeugung gesunder Pflanzen auf Basis
von Resistenzen gegen Phytopathogene gerichtet.
Der Austausch wissenschaftlicher und technologischer Informationen hat
hierbei große Bedeutung. Dieser Umstand war Motivation
für die Übernahme der Leitung der GPZ-AG 17 und
Anliegen der gemeinsamen Tagung. Im Mittelpunkt stand die Melisse (Melissa
officinalis) als eine der Modellkulturen innerhalb des
geplanten und teilweise bereits gestarteten
„Demonstrationsprojektes Verbesserung der internationalen
Wettbewerbsposition des deutschen Arznei- und
Gewürzpflanzenanbaus am Beispiel der züchterischen
und anbautechnologischen Optimierung der Produktion von Kamille,
Baldrian und Melisse“.
Zu dem ganz auf Melisse zugeschnittenen Thema der Tagung trafen sich 44
Teilnehmer. Durch acht Präsentationen gelang es den Bogen der
Arbeiten an Melisse von der Unkrautregulierung über Anbau,
Züchtung und Analytik bis zur erstmaligen Darstellung eines
neuen Phytopathogens zu spannen. Neben den Bemühungen dem
geringen und möglicherweise weiter schwindenden Umfang
zugelassener Herbizide alternativ eine leistungsfähige
mechanische Unkrautbekämpfung entgegenzusetzen sind
Ansätze für die Ertragssteigerung von
ätherischem Öl und von Rosmarinsäure durch
Verfahrensoptimierung und Züchtung besonders hervorzuheben.
Die Analytik sekundärer Inhaltsstoffe in Melisse ist ein seit
langem bearbeitetes Gebiet. Die Umstellung auf moderne Analyseverfahren
erfordert umfangreiche Vergleichsmessungen und führte zu neuen
Erkenntnissen hinsichtlich Menge und Zusammensetzung einzelner
Stoffgruppen. Themenfelder mit großer Bedeutung für
die moderne Pflanzenzüchtung, wie die Erzeugung
doppelhaploider Linien gilt es in nächster Zukunft zu
entwickeln, da hierdurch bedeutende Fortschritte bei der Entwicklung
neuer Sorten zu erwarten sind. Ebenso verhält es sich mit
phytopathologischen Fragestellungen. Hier ist es gelungen ein neues
Virus zu identifizieren und erstmals zu beschreiben.
Die Ausstrahlung der GPZ als Forum von praktischer
Pflanzenzüchtung, Züchtungsforschung und
Grundlagenforschung in den europäischen Raum zeigte sich auch
für den Bereich Arznei- und Gewürzpflanzen anhand der
Beiträge und der Teilnehmer aus insgesamt fünf
Ländern.
Quedlinburg, Dezember 2009, Dr. F. Marthe
Bericht des Treffens vom 18./21. Februar 2008 in Bernburg
Internationale Fachtagung
„Qualität, Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit von Arznei- und Gewürzpflanzen“
- ca. 250 Teilnehmer -
Leitung des wissenschaftlichen Komitees: PD Dr. Friedrich Pank, Bad Suderode
In der Zeit vom 18. bis 21. Februar 2008 fand die 5. Fachtagung Arznei- und Gewürzpflanzen und das 18. Bernburger Winterseminar als gemeinsame Tagung in den Räumen der Landesanstalt für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau Sachsen-Anhalt in Bernburg-Strenzfeld statt. Veranstalter waren der Deutsche Fachausschuss für Arznei-, Gewürz- und Aromapflanzen, das Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt Sachsen-Anhalt, die Landesanstalt für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau Sachsen-Anhalt und der Verein Saluplanta e.V., Bernburg. Mitveranstalter waren die Gesellschaft für Arzneipflanzenforschung, die Gesellschaft für Pflanzenzüchtung mit ihrer AG 17 Arznei- und Gewürzpflanzen sowie die Deutsche Phytomedizinische Gesellschaft.
Die Teilnehmer kamen aus neun europäischen Staaten und waren
insbesondere Anbauer, aber auch Aufbereiter, Händler und
Verarbeiter von Arznei- und Gewürzpflanzen. Wissenschaftliche
Einrichtungen waren vertreten insbesondere durch Spezialisten
für die Analytik sekundärer Pflanzeninhaltsstoffe,
für Anbaufragen und für Züchtungsforschung
sowie für angewandte Taxonomie. Zur Eröffnung der
Fachtagung waren die Landwirtschaftsministerin des Landes
Sachsen-Anhalt, Frau P. Wernicke, und der stellvertretende
Präsident der gastgebenden Landesanstalt, Herr F. Holz,
gekommen. In einem Grußwort ging Frau Ministerin Wernicke auf
die besondere Bedeutung des Bereiches Arznei- und
Gewürzpflanzen ein. Sie betonte, dass die gesetzlich
vorgegebenen hohen Qualitätsanforderungen, die Sicherung von
Ertrag und Qualität gegenüber Schaderregern und die
Pflanzenschutzgesetzgebung eine große Herausforderung
für die Forschungsarbeiten darstellen. Ein erfolgreicher Anbau
von Arznei und Gewürzpflanzen sei nur möglich, wenn
vor dem Anbau der Absatz gesichert ist, wenn der Produzent eine
zureichende Risikobereitschaft zeigt, wenn spezielle
Kapazitäten in Trocknung und Aufbereitung bereitstehen und
wenn an den Instituten innovative Forschungsarbeit geleistet wird.
Abschließend versprach sie, den Bereich Arznei- und
Gewürzpflanzen auch zukünftig zu
unterstützen.
Das Vortragsprogramm der Fachtagung war in sechs Sektionen gegliedert:
1. Aus der Praxis für die Praxis, Marktchancen für
Phytopharmaka, 2. Züchtung und Inkulturnahme, 3. Anbautechnik,
4. Mechanisierung und Nacherntetechnologie, 5. Pharmazeutische Biologie
und Analytik, 6. Recht, Qualitätssicherung und Applikationen.
In Sektion 1 wurde bei der Darstellung der Marktentwicklung
für Phytopharmaka u.a. berichtet, dass die Entwicklung des
Weizenpreises als Leitpreis für pflanzliche Produkte der
Landwirtschaft auch für die Aufkaufpreise für Arznei-
und Gewürzpflanzen eine entscheidende Rolle spielt.
In Sektion 2 wurden Ergebnisse eines Vergleichsanbaus von zahlreichen
Genbankmustern der Petersilie (Petroselinum crispum)
vorgestellt und dabei neben der Bonitur morphologischer und
inhaltstofflicher Merkmale für diese Kultur auch die erste
genetische Distanzanalyse mittels molekularer Marker
präsentiert. Daneben wurde eine in vitro-Vermehrungstechnologie
für Kapuzinerkresse (Tropaeolum majus)
und eine Züchtungsstrategie für Speisemohn (Papaver
somniferum) vorgestellt. Ein Sortenvergleich von Salbei (Salvia
officinalis) war ebenso interessant wie die Entstehung der
Hybridsorte 'Regula' in dieser Art.
In Sektion 3 ging es um Mischanbau von ein- und zweijährigem
Kümmel (Carum carvi), um den Blattertrag
von Artischocke (Cynara cardunculus) und eine im
deutschen Anbau neue Pflanze der traditionellen chinesischen Medizin
(TCM): Astragalus mongholicus. Daneben standen
die Samenübertragbarkeit von Mycosphaerella anethi
bei Fenchel (Foeniculum vulgare) und die
Regulierung von Zikaden (Eupteryx sp.) in Melisse (Melissa
officinalis) zur Diskussion.
In Sektion 4 wurden Einflussfaktoren der Nacherntetechnologie auf die
Produktqualität erörtert. Besonders wurden Aspekte
der Trocknung behandelt. Für die Extraktgewinnung wurde als
neues Verfahren die Nutzung von Mesophasen und Emulgatoren vorgestellt.
In Sektion 5 wurde über Untersuchungen zu Inhaltsstoffen
zentralasiatischer Allium-Arten, des
Flavonoidmusters unterschiedlicher Crataegus-Arten
und einiger chinesischer Heilpflanzen aus deutschem Anbau im Vergleich
mit chinesischer Handelsware vorgetragen. Als ein neuer analytischer
Ansatz beispielsweise zur Beschreibung der intraspezifischen
Variabilität einer Art wurde die nicht zielgerichtete
Erfassung aller Inhaltsstoffkomponenten, im gegebeben Fall aller
flüchtigen Pflanzeninhaltsstoffe, vorgestellt. Ebenfalls
wurden Möglichkeiten und Probleme der Nutzung von
ionisierender Strahlung bei der Entwesung von Drogen besprochen.
Sektion 6 befasste sich mit Aspekten der Qualitätssicherung
von Extrakten und pflanzlichen Ausgangsstoffen für
Arzneimittel. Weitere Vorträge betrafen Präparate der
traditionellen chinesischen Medizin, den Russischen Estragon (Artemisia
dracunculus) und den Einsatz von Kräutern und
Gewürzen als funktionelle Zutaten in Funktionellen
Lebensmitteln.
Posterbeiträge gab es: drei in der Sektion 1, sechzehn in
Sektion 2, siebenundzwanzig in Sektion 3, sechs in Sektion 4, sieben in
Sektion 5 und fünf in Sektion 6.
Am 21.2.2008 wurden im Rahmen der Tagung zwei Fachexkursionen
durchgeführt: Die Exkursion 1
„Züchtungsforschung“ führte 46
Teilnehmer in das Julius-Kühn-Institut (JKI)
Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen nach Quedlinburg.
Hier wurden Aufgaben und Möglichkeiten des Institutes
für ökologische Chemie, Pflanzenanalytik und
Vorratsschutz erläutert. Es folgten Ausführungen zum
Thema Virosen der Arznei- und Gewürzpflanzen im Institut
für Epidemiologie und Pathogendiagnostik und eine Darstellung
der Aufgaben in der Arbeitsgruppe Arznei- und Gewürzpflanzen
des Institutes für Züchtungsforschung an
gartenbaulichen Kulturen und Obst. Abschließend wurden den
Teilnehmern die technischen Eckdaten und gärtnerischen
Möglichkeiten des Forschungsgewächshauses
erläutert. Bei der Exkursion 2
„Kräuterverarbeitung, Zwiebelaufbereitung“
wurde 57 Tagungsteilnehmern Einblick in die Anbau- und
Verarbeitungstechnologie in der Agrargenossenschaft Calbe e.G. geboten.
(Frank Marthe, Quedlinburg)
Bericht des Treffens
vom 23. August 2006 in Quedlinburg
„Grundlagen der Hybridsortenzüchtung an Arznei- und
Gewürzpflanzen“
- 50 Teilnehmer -
Leitung: PD Dr. Friedrich Pank, Quedlinburg
Die Tagung wurde gemeinsam vom Institut für gartenbauliche Kulturen der Bundesanstalt für Züchtungsforschung an Kulturpflanzen in Quedlinburg und der Arbeitsgruppe 17 „Arznei- und Gewürzpflanzen“ der Gesellschaft für Pflanzenzüchtung veranstaltet. Das Thema „Hybridsortenzüchtung“ gewinnt in jüngster Zeit auch bei den Arznei- und Gewürzpflanzen verstärktes Interesse, um - wie bereits bei anderen Kulturpflanzen - die Vorteile der Leistungssteigerung und Homogenität und damit des besseren Sortenschutzes nutzen zu können. Auf dieser Tagung waren dankenswerterweise alle im deutschsprachigen Raum mit dieser Thematik an Arznei- und Gewürzpflanzen befassten Arbeitsgruppen vertreten.
Im ersten Teil des Programms wurde in kurzen Vorträgen ein Einblick in den Stand und die Breite der laufenden Entwicklungen gegeben. Im Rahmen eines von der EU geförderten Projektes waren die genetischen Komponenten für Hybridsorten von Majoran entstanden. Kombinationseignungsprüfungen zeigten Leistungssteigerungen beim Ertrag und beim Ätherischöl-Gehalt. Die Entwicklung von Hybridsorten durch die „ N.L. Chrestensen Erfurter Samenzucht und Produktion GmbH Erfurt“ steht unmittelbar vor dem Abschluss. Thymianpopulationen weisen in der Regel einen hohen Anteil männlich steriler Pflanzen auf. Die Ausprägung der männlichen Sterilität wird in komplexer Weise durch unterschiedliche Restorerfaktoren im Kerngenom und im Zytoplasma kontrolliert. Durch Testkreuzungen und Nachkommenschaftsprüfungen konnten mehrere zytoplasmatisch-sterile Linien mit ihren Maintainern als Grundlage für die künftige Hybridsortenzüchtung entwickelt werden. Homogene und leistungsfähige Hybridsorten sind heute bereits bei Thymian (‚Varico I’ und’Varico II’), Oregano (‚Carva’) und Salbei (‚Regula’) in die Praxis eingeführt. Die Elternkomponenten für die Saatguterzeugung dieser Sorten werden vegetativ vermehrt. Auch bei Edelweiß soll spontan aufgetretene männliche Sterilität für die Züchtung von Hybridsorten genutzt werden. Das vereinzelte Auftreten männlich steriler Pflanzen bei Baldrian ist Ausgangspunkt für die Planung der Hybridsortenzüchtung auch bei dieser Art, wobei die beschleunigte Entwicklung von Inzuchtlinien über gametische Embryogenese aus Mikrosporen mit nachfolgender Diploidisierung einen Schwerpunkt bildet. Beim Screening zahlreicher Fenchelakzessionen fielen Populationen auf, die bis zu zwei Dritteln Pflanzen mit ausschließlich männlich sterilen Blüten aufwiesen. Untersuchungen zur Vererbung der männlichen Sterilität könnten Aufschluss über die Nutzbarkeit der sterilen Formen für die Hybridsortenzüchtung geben. Beim Sellerie wurden in zwei von 27 Akzessionen insgesamt fünf männlich sterile Pflanzen gefunden. Die Sterilität wird vermutlich monogen rezessiv vererbt. Unter 11 Herkünften von Petersilie fanden sich keine männlich sterilen Pflanzen.
Nach einem Mittagsimbiss schloss sich eine Besichtigung des Versuchsfeldes am zukünftigen Standort der Bundesanstalt auf dem Moorberg mit Zuchtstammvergleichen aus verschiedenen Forschungsprojekten an. Einjähriger Kümmel besitzt auf Grund seiner verkürzten Vegetationszeit wirtschaftliche Vorteile gegenüber den bisher vorherrschenden zweijährigen Formen. Aber sein Ätherischöl-Gehalt war in den bisher zur Verfügung stehenden Sorten noch unbefriedigend. Durch jahrelange rekurrente Selektion konnte der Ölgehalt des Quedlinburger Zuchtmaterials deutlich angehoben werden. Erstes Material ist unter dem Namen ‘Sprinter’ bereits im Anbau. Da aber der Ertrag dieser Sorte mit etwa 1-1,5 t/ha noch nicht den Anforderungen entspricht, richten sich die gegenwärtigen Untersuchungen auf die Entwicklung von synthetischen Sorten mit dem Ziel einer Verbesserung der Ertragsleistung unter Beibehaltung des hohen Niveaus des Ätherischöl-Gehaltes. Der diesjährige Feldversuch betrifft eine Prüfung auf allgemeine Kombinationseignung von 40 potenziellen Elternkomponenten (I 3) aus einem 2005 durchgeführten Polycross.
Ein Versuch mit einjährigem Bohnenkraut zeigte die im Verlauf eines mehrjährigen Projektes durch rekurrente Selektion aus verschiedenen Akzessionen entwickelten Zuchtstämme. Diese sind bei hohem Ertrag durch einen hohen Ätherischöl-Gehalt mit einem Carvacrolanteil von >60% ausgezeichnet, wie er von der Futtermittelindustrie für den Ersatz der seit 2006 verbotenen antibiotischen Leistungsförderer im Futter gefordert wird. Da Bohnenkraut auf Grund seiner kurzen Vegetationszeit nach frühräumenden Früchten auch einen Anbau als Zweitfrucht zulässt, erfolgte die Selektion sowohl unter den Bedingungen einer Frühjahrs- als auch einer Sommeraussaat. Dieser Feldversuch soll neben der Ermittlung von Leistungsparametern auch darüber Aufschluss geben, ob die Selektion unter den verschiedenen jahreszeitlichen Bedingungen eine genetisch kontrollierte ökologische Anpassung bewirkt hat.
In einem Versuch mit Petersilie wurde Material vorgestellt, das hinsichtlich seiner Resistenz gegen Septoria petroselini geprüft wird. Im Vergleich mit bekannten Sorten und anfälligen Standards zeigte sich eine differenzierte Anfälligkeit der verschiedenen Akzessionen. Als weitere Schaderreger wurden bonitiert: Alternaria radicina, Sclerotiniasclerotiorum, Plasmoparapetroselini, Erysipheheraclei und nicht näher spezifizierte Virosen.
Ein Versuch mit Arzneifenchel dient dem Vergleich der Leistung von Zuchtstämmen, die über einen längeren Zeitraum in verschiedenen Zuchtprogrammen entwickelt wurden, mit der Standardsorte ‘Berfena’. Das Material dieser Leistungsprüfung wurde im Verlauf der Pflanzenentwicklung jeweils in den folgenden Merkmalen beurteilt: Mycosphaerella-Resistenz, Kleinfrüchtigkeit und niedriger Estragolgehalt bei hohem Ätherischöl-Gehalt. Es wird zukünftigen Züchtungsarbeiten vorbehalten bleiben, diese Eigenschaften in einem einzigen Genotyp zu kombinieren.
Im Ergebnis eines Projektes mit Thymian entstanden mehrere cms-Linien mit ihren Maintainer- und Bestäuberlinien als Ausgangsmaterial für die Züchtung von Hybridsorten. Ausgewählte, aus dem Projekt hervorgegangene Populationen standen im Feldversuch im Vergleich zu den Standardsorten ‘Deutscher Winter’ und ‘Varico II’.
Nach der Besichtigung des Versuchsfeldes konnten sich die Teilnehmer der Tagung mit der neu errichteten Forschungewächshausanlage der BAZ bekannt machen. Mit 9000 m 2 Fläche, 32 Klimakammern, Trocknungsanlagen, Probenbearbeitungsräumen, Tierhaltungs- und Laborräumen und hochentwickelten Automatisierungssystemen bietet sie hervorragende Arbeitsvoraussetzungen für die Züchtungsforschung.
Dr. Pank, der die AG 17 bisher geleitet hat, wird am 1. Februar 2007 in den Ruhestand gehen. Deshalb verabschiedete er sich zum Schluss dieser Tagung von den AG-Mitgliedern und dankte für den interessanten fachlichen Austausch, für die gute Zusammenarbeit und alle freundlichen persönlichen Kontakte über viele Jahre. Er bat die AG-Mitglieder, die gute Zusammenarbeit mit Dr. Frank Marthe fortzusetzen, der das Fachgebiet der Züchtungsforschung an Arznei- und Gewürzpflanzen an der BAZ und auch die Leitung der AG 17 übernehmen wird. Prof. Röbbelen würdigte die vielfältigen Aktivitäten von Dr. Pank und überreichte ihm und allen Teilnehmern eine Broschüre, in der die Berichte über die 12 Tagungen der AG 17 der zurückliegenden Jahre zusammengefasst sind. Diese Broschüre kann bei Dr. Pank angefordert werden.
(F. Pank, Quedlinburg)
16. November 2005 in Quedlinburg mit dem Thema: "Züchtungsforschung an Arznei- und Gewürzpflanzen aus der Familie der Umbelliferen"
- 45 Teilnehmer -
Leitung: PD Dr. Friedrich Pank, Quedlinburg
Die diesjährige Vortragstagung wurde wieder wie schon in früheren Jahren gemeinsam vom Institut für gartenbauliche Kulturen der Bundesanstalt für Züchtungsforschung an Kulturpflanzen Quedlinburg und der Arbeitsgruppe 17 „Arznei- und Gewürzpflanzen“ der Gesellschaft für Pflanzenzüchtung veranstaltet. Die Teilnehmer waren aus ganz Deutschland, aber auch aus Bulgarien, Frankreich und Ungarn nach Quedlinburg gekommen, um über "Züchtungsforschung an Arznei- und Gewürzpflanzen aus der Familie der Umbelliferen" zu diskutieren. Umbelliferen verdienen auf Grund ihres Formenreichtums und der Vielzahl ihrer bioaktiven oder olfaktorisch bedeutsamen Sekundärstoffe die besondere Beachtung der Pflanzenzüchter. In 16 Vorträgen wurden Arbeitsgebiete angesprochen, die von großer Bedeutung für die Arznei- und Gewürzpflanzenzüchtung sind: Genetische Ressourcen mit speziellen Merkmalsausprägungen, Charakterisierung von Schaderregern als Voraussetzung einer erfolgreichen Resistenzzüchtung, züchterische Verfahren bei der Linienentwicklung, bei Resistenztests, der Anwendung molekularer Marker und rationeller chemischer Analysen sowie Übersichten zur Leistungsfähigkeit von Sorten im In- und Ausland.
Die Umbelliferen (Apiaceae) gehören mit etwa 446 Gattungen und 3540 Arten zu den größten Familien der Blütenpflanzen. Wegen der charakteristischen Inhaltsstoffe sind zahlreiche Arten als Nutz-, Kultur- und Giftpflanzen für den Menschen von Bedeutung. Mindestens 117 Arten (ohne Zierpflanzen) werden als Kulturpflanzen genutzt. Hauptnutzungsrichtungen sind Arzneipflanzen (41%) vor Gemüse-, Salat- und Stärkeknollenpflanzen (23,1%) und Gewürzpflanzen (19,7%) (K. Pistrick, Gatersleben) . Für die verarbeitende Industrie sind z.T. auch kleinere Mengen von weniger bekannten Arten wirtschaftlich von nicht geringer Bedeutung (E. Schneider, Marklkofen) . Die Untersuchung der Inhaltsstoffe von Akzessionen der Genbank des Institutes für Pflanzengenetik und Kulturpflanzen-forschung Gatersleben ergab eine große Variabilität der ätherischen Samenöle, und es konnten unterschiedliche Chemotypen definiert werden (H. Krüger, Quedlinburg). Forschungs- und Züchtungsaktivitäten auf molekularer Ebene sind überwiegend bei Möhre und Sellerie zu finden, nur ansatzweise bei Petersilie, Kümmel, Fenchel, Kerbel u.a.. Die mit Möhre erzielten Ergebnisse können jedoch Anregungungen für entsprechende Arbeiten auch an anderen Umbelliferenarten geben (z.B. molekulare Charakterisierung von cms-Cytoplasmen) (T. Nothnagel, Quedlinburg).
Schaderreger an Dill sind Mycosphaerellaanethi und die Bakterien Pseudomonassyringae und P.fluorescens. Bei der Prüfung von Resistenz gegen Pseudomonas werden Blätter durch Anschneiden mit einer in Inokulum getauchten Schere inokuliert. Parsley virus Y (ParVY) und Carrot red leaf virus (CRLV) werden mit Hilfe von Myzus persicae auf die Pflanzen übertragen, deren Wachstum nach der Infektion gehemmt wird, und die eine rötliche Färbung aufweisen (A. Kusterer, Aschersleben). Nach Evaluierung von 200 Fenchel-Akzessionen gelang die Selektion von Populationen mit stark verminderter Anfälligkeit gegen Mycosphaerella anethi. Die Resistenz wird genetisch kontrolliert und ist damit der Resistenzzüchtung zugänglich (F. Pank, Quedlinburg). Wuchshöhe und Doldenzahl - und beim zweijährigen Kümmel auch der Wurzeldurchmesser - waren mit dem Ertrag positiv korreliert. Die Merkmale wiesen eine stärkere Variabilität bei einjährigem Kümmel auf. Eine sichere Abgrenzung der einjährigen Taxa mit der Hauptkomponenten-Analyse war nicht möglich, was als Hinweis auf eine gemeinsame Entstehung gewertet werden kann (E. Németh, Budapest). Bei der Entwicklung von Linien als Komponenten für synthetische Sorten des einjährigen Kümmels bewährte sich die Erweiterung der genetischen Diversität des Ausgangsmaterials durch Kreuzung von einjährigem Kümmel mit zweijährigen Sorten. Durch Selektion auf hohen Ertrag konnte ein Abfall der Leistung der Linien nach zwei Zyklen von Selektion und Inzucht weitestgehend vermieden werden (F. Pank, Quedlinburg). An ein- und zweijährigen Kümmelherkünften wurden Alternaria-Arten (A. alternata, A. tenuissima, A. radicina), Septoria carvi, Phoma exigua, Erysiphe heraclei und in seltenen Fällen auch Mycocentrospora acerina beobachtet. Die Symptome der Doldenbräune werden durch Alternaria spp., Botrytis cinerea, Cladosporium spp., Stemphylium sp., Synchytrium aureum, Phomopsis diachenii und Fusarium spp. hervorgerufen. Beim Test von einjährigem Kümmel auf Resistenz gegen Phomopsis diachenii und Alternaria spp. bewährte sich die künstliche Infektion von Ganzpflanzen im Gewächshaus. Der PTA-ELISA erwies sich als wertvolle Ergänzung der visuellen Bonitur (J. Gabler, Aschersleben). Im Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung Gatersleben sind derzeit 457 Koriander-Akzessionen verfügbar. Lagerung bei -15°C und einer rel. Luftfeuchtigkeit von <10% erhält die Keimfähigkeit auf hohem Niveau (95%) seit 1975. Zur Differenzierung des Materials eigneten sich besonders Anzahl und Form der Blätter, Pflanzenhöhe, Blütenfarbe und Form und Tausendkorngewicht der Samen (U. Lohwasser, Gatersleben.). Die Züchtung von Petersilie ist in Europa vorwiegend auf die Entwicklung von mooskrausen Sorten für den Frischmarkt ausgerichtet. Wichtige Zuchtziele sind Wüchsigkeit, große Blätter, Krankheitsresistenz, Resistenz gegen Septoria, Mehltau (Plasmopara nivea) und Sclerotinia, hoher Trockenmassegehalt und gute Sensorik (L. van Niekerk, Darbonne/F). Alternaria radicina ist mit dem Saatgut übertragbar und schädigt vor allem die Keimlingspflanzen von Petersilie und Dill (U. Gärber u. E. Nega, Kleinmachnow). Septoria petroselini verursacht Blattflecken an der Petersilie. Beim Screening einer umfangreichen Sammlung wurden Genotypen mit verminderter Anfälligkeit gefunden, die als Ausgangsmaterial für die Entwicklung resistenter Linien verwendet werden können (F. Marthe, Quedlinburg ).
Moderne analytische Methoden gestatten eine erhebliche Steigerung der Effizienz bei der Untersuchung der Inhaltsstoffe an Zuchtmaterial der Umbelliferen. Zu diesen Methoden gehören: Festphasen-Mikroextraktion (SPME), Mikro-destillation, simultane Destillation/Extraktion (SDE) und vor allem schwingungs-spektroskopische Messungen, die den Vorteil einer zerstörungsfreien, raschen und vergleichsweise einfachen Arbeitsweise aufweisen (H. Schulz, Quedlinburg.).
Der Anbau von Umbelliferen hat in Bulgarien eine große Bedeutung (Koriander: 77 620 ha, 77 658 t im Jahre 2004). Es wurde eine Übersicht der verfügbaren Sorten von Dill, Knollen- und Schnittsellerie, Kümmel, Koriander, Kreuzkümmel, Blatt- und Wurzelpetersilie und Anis gegeben (R. Todorova, Sofia/BG). Das von der Fa. N. L. Chrestensen Erfurter Samen- und Pflanzenzucht GmbH Erfurt erhaltungszüchterisch bearbeitete Sortiment umfasst Koriander, Petersilie, Fenchel, Dill, zwei- und einjährigen Kümmel (W.D. Blüthner, Erfurt).
Die Tagung vermittelte eine Fülle wertvoller Informationen und Anregungen für die weitere Arbeit. Allgemein kann festgestellt werden, dass in vielen Bereichen durch die Züchtungsforschung ein guter Vorlauf geschaffen wurde, auf den die Saatzuchtbetriebe bei Züchtung neuer Arznei- und Gewürzpflanzen-Sorten zurückgreifen können. Die Zusammenfassungen der Vorträge wurden den Teilnehmern zur Tagung als Broschüre ausgehändigt. Die Ergebnisse ausgewählter Beiträge werden in der Zeitschrift für Arznei- & Gewürzpflanzen veröffentlicht.
(F. Pank, Quedlinburg)
Bericht der 5. Fachtagung Arznei- und Gewürzpflanzen des Deutschen Fachausschusses für Arznei-, Gewürz- und Aromapflanzen am 7.-9. September 2004 in Jena
- 210 Teilnehmer -
Fachliche Leitung: PD Dr.
Friedrich Pank, Quedlinburg
Organisation: Dr. A. Vetter, Dornburg
Die Tagung fand in den Räumen
der Friedrich-Schiller-Universität Jena statt. An der
fachlichen Gestaltung beteiligten sich die mit Arznei- und
Gewürzpflanzen befassten Arbeitsgruppen der Gesellschaft
für Arzneipflanzenforschung, der Gesellschaft für
Pflanzenbauwissenschaften und der Gesellschaft für
Pflanzenzüchtung. Die ausgezeichnete Organisation der
Veranstaltung durch die Thüringer Landesanstalt für
Landwirtschaft als Gastgeber schaffte beste Voraussetzungen
für den Austausch neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse auf
diesem speziellen Sektor der Pflanzenproduktion. Unter dem Thema
"Chancen und Herausforderungen einer zeitgemäßen
Arznei- und Gewürzpflanzenproduktion" wurde in 31
Vorträgen und 80 Postern auf aktuelle Fragen in den Sektionen
Marktentwicklung und Betriebswirtschaft, Züchtung, Erzeugung
von Saat- bzw. Pflanzgut, Anbauverfahren für eine
kontrolliert-integrierte Produktion und den Ökolandbau,
Nacherntebehandlung und Verarbeitung, Spezielle pharmazeutische Aspekte
der Arzneipflanzenproduktion und Qualitätssicherung
eingegangen.
Die Ziele von Züchtungsforschung und Züchtung werden
vom Umfeld bestimmt, in dem heute Arznei- und
Gewürzpflanzenproduktion stattfindet: Die angestrebte
Steigerung des Bedarfes an Arznei- und Gewürzpflanzendrogen
ergibt sich aus dem ungebrochenen Trend zu Naturprodukten in
Deutschland als einem der Länder mit dem höchsten
Verbrauch, aus der Einführung neuer Arzneipflanzenarten und
der Entdeckung neuer Inhaltsstoffe in traditionell genutzten Arten, aus
der Erhöhung des Bedarfes ökologisch produzierter
Droge und aus der Erschließung neuer Anwendungen z. B. in den
Bereichen Nahrungs- und Futterergänzungsmittel, Kosmetik und
natürliche Pflanzenschutzmittel. Gute Wettbewerbschancen
für den heimischen Anbau ergeben sich aus einem hohen Niveau
der Qualitätssicherungssysteme, den vielfältigen
Aktivitäten zur Züchtung von leistungsstarken Sorten,
aus der Nutzung der Ergebnisse angewandter Forschung zur
Lösung von Problemen der Primärproduktion
insbesondere für Inkulturnahme, Anbautechnik und
Pflanzenschutz auch unter Berücksichtigung
ökologischer Produktionsweisen und aus der Entwicklung
technologischer Lösungen für die Produkt-Veredelung
bereits in der Landwirtschaft (z.B. durch Extraktion oder
Destillation). Herausforderungen für diesen speziellen Zweig
der pflanzlichen Produktion sind neue Qualitätsparameter, die
unter Berücksichtigung jüngster wissenschaftlicher
Erkenntnisse z. B. zur biologischen Wirksamkeit von Inhaltsstoffen
festgesetzt werden. Besondere Probleme bereiten dabei Kontaminanten und
neuerdings als Risikosubstanzen eingestufte Inhaltsstoffe. Probleme
verursachen überdies die restriktive Gesetzgebung im
Pflanzenschutzmittelbereich, der zu erwartende Absatzrückgang
bei Arzneipflanzen infolge der Gesundheitsreform und die hohen
Produktionskosten in Deutschland verursacht z.B. durch hohe
Löhne und steigende Energiekosten, sowie die
Verschärfung des Wettbewerbs durch die Osterweiterung der EU.
Beiträge aus den Bereichen Züchtungsforschung und
Züchtung bezogen sich u.a. auf folgende Themen: Die
indikationsspezifische bioassay-gestützte Selektion
ermöglicht es dem Züchter, die therapeutische
Wirksamkeit von Genotypen direkt zu testen anstatt den therapeutischen
Effekt indirekt anhand des Gehaltes an bestimmten Inhaltsstoffen zu
beurteilen. Durch Anwendung eines geeigneten Resistenztestes und
mehrerer Selektionsschritte konnten Johanniskraut-Linien entwickelt
werden, die keinen bzw. einen nur sehr geringen Befall mit der
Johanniskrautwelke aufwiesen. Auch gelang die Entwicklung sexueller
Linien des zumeist fakultativ apomiktischen Johanniskrautes. Weniger
erfolgreich war jedoch eine Auslese auf Linien, die zugleich einen
hohen Hypericin- und Hyperforingehalt aufweisen. Die Kreuzung von
Johanniskrauttypen mit unterschiedlicher Ausprägung der
Apomixie/Sexualität und unterschiedlichen Ploidiegraden ergab,
dass unterschiedliche Ploidiestufen der Eltern den Samenansatz
beeinträchtigen. Die Nachkommen wiesen unterschiedliche Grade
der Apomixie und Ploidie auf. Bei einem großen Anteil der
Pflanzen in Thymianpopulationen treten Übergangsstufen
zwischen männlich sterilen und hermaphroditischen Formen auf,
die durch Blütengröße, Antheren- und
Pollenmorphologie und durch die Pollenvitalität
charakterisiert werden können. Durch Kreuzung von Thymus
pulegioides und Thymus vulgaris entstanden spaltende
Nachkommenschaften, aus denen Genotypen mit erwünschter
Merkmalsausprägung ausgelesen werden können. Der
Vergleich der Eigenschaften verschiedener Thymiansorten zeigte, dass
sich die Ausprägung der meisten Merkmale in
Abhängigkeit vom Standjahr erheblich ändern kann.
Mittels molekulargenetischer Verfahren konnten verschiedene Subspezies
der Artischocke differenziert werden. Durch Screening eines
umfangreichen Petersiliensortimentes wurden Genotypen mit partieller
quantitativer Resistenz gegenüber der
Septoria-Blattfleckenkrankheit ermittelt, die als Ausgangspopulationen
für die Züchtung resistenter Sorten dienen
können. Weiterhin wurden Ergebnisse der Evaluierung
zahlreicher Akzessionen von Baldrian, Echtem Sonnenhut, Grindelia spp.,
Johanniskraut, Kamille, Koriander, Leindotter, Oregano, Rosen und
Sterculia urens vorgestellt. Durch geeignete Gestaltung des
Temperaturregimes konnte die Keimung von Traubensilberkerzen-Samen
gefördert werden. Die vegetative Vermehrung kann durch Bildung
somatischer Embryonen rationalisiert werden. Zur Vorauswahl bei der
Selektion auf hohen Ätherischöl-Ertrag des
Bohnenkrautes empfiehlt sich die Beschränkung auf Pflanzen mit
großem Buschdurchmesser. Durch wiederholte Selektion bei
Infektion durch einen Spreader im Freiland konnte die
Mycosphaerella-Resistenz ausgewählter Fenchel-Populationen
deutlich gesteigert werden. Die Organogenese von Borretschkalli auf der
Basis von Petiolen gelang mit einer geeigneten Hormonkombination.
Wesentlich schwieriger erwies sich die Embryogenese. Die molekulare
Klassifizierung von Arten der Gattung Allium ergab zahlreiche neue
Erkenntnisse bezüglich der verwandtschaftlichen Beziehungen.
In einer spaltenden F2-Generation der Kreuzung von Majoran und Dost
konnten Einzelpflanzen mit Hilfe von Mikrosatelliten-DNA-Sequenzen
unterschieden werden. Es wurden die optimalen Bedingungen für
die in vitro-Vermehrung von Italienischem Currykraut ermittelt.
Den Tagungsteilnehmern wurde Gelegenheit gegeben, den Botanischen
Garten der Stadt Jena zu besuchen und sich im Thüringer
Zentrum Nachwachsende Rohstoffe der Thüringer Landesanstalt
für Landwirtschaft in Dornburg mit Arbeiten zur Extraktion und
Destillation bekannt zu machen. Exkursionen führten zur
Pharmaplant GmbH Artern, die vorwiegend im Auftrage von
Pharma-Unternehmen Untersuchungen zur Inkulturnahme,
Herkunftsprüfung, Anbauoptimierung, Nacherntetechnologie und
Neu- und Erhaltungszüchtung durchführt; weiterhin zur
Agrargenossenschaft Nöbdenitz e.G., wo seit vielen Jahren
Arznei- und Gewürzpflanzen großflächig
angebaut werden und alle erforderlichen Spezialausrüstungen
vorhanden sind. Einen Einblick in die Verarbeitung bekamen die
Tagungsteilnehmer in der Kräutermühle
Kölleda und bei der Firma Goldmännchen Tee in St.
Gangloff (D).
Kurzfassungen der Vorträge und Poster werden in einem
Tagungsband gedruckt, der beim Tagungsbüro
(c.ormerod@dornburg.tll.de) bestellt werden kann. Ausgewählte
Beiträge werden als wissenschaftliche Originalarbeiten in der
Zeitschrift für Arznei- & Gewürzpflanzen
veröffentlicht werden.
(F. Pank, Quedlinburg)
